Moredread Verschwörungsfreak


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27.03.2007 - 14:50
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Und wieder einmal eine kleine Kurzgeschichte von mir - viel Spaß beim lesen und lachen
Freud, der Teufel, Bob Marley und Napoleon saßen zusammen im Besprechungsraum. Es lief nicht gut. Petrus, der Initiator der Runde Persönlichkeitsdefizite – reden wir darüber war leider verhindert. Hermes, der die anderen wegen des Ausfalls hätte informieren sollen, war wegen eines wichtigen Auftrags beschäftigt gewesen. Und so hatte Niemanden die Botschaft von Petrus Abwesenheit erreicht. So saßen alle vier nun zusammen und waren bereits in etwas verstrickt, dass mit dem Wort Diskussion ein wenig zu freundlich beschrieben wäre. Vielleicht würde handfester Streit das ganze besser beschreiben. Ganz sicher sogar.
»Sie englischer Bastard!!« schrie der kleine Admiral.
»Ich«, sagte der Teufel, »bin nicht einmal Engländer. Zudem kann ich ihnen versichern, das die Bastarde dieser Welt, bildlich oder sinnbildlich gesprochen, weder ausschließlich noch größtenteils aus England kamen und kommen. Die statistische Verteilung ist viel mehr...«
»Aha!« polterte Napoleon, »sie sind kein Engländer, sie sind ein Freund der Engländer! Sie nehmen sie in Schutz! Das ist noch viel schlimmer sie... sie... sie englischer Bastard!«
Der Teufel schob den Unterkiefer vor, legte die Stirn in Falten und verbarg die Augen hinter den Fingern. »Eigentlich«, dachte er, »sollte ich in der Hölle leben, aber ich sollte sie doch nicht erleben!«. Er knurrte aus den Tiefen seiner Kehle. »Ich versuch es noch mal im Guten. Ich bin der Fürst der Finsternis. Das personifizierte Böse. Ich finde es sowieso schon Irrsinn, das ich hier sitze. An einer Therapie teilnehme, nur weil ich einer Fliege die Beine...«
»Sie Hu rensohn! Sadist! Frankreich erklärt ihnen hiermit den Krieg!«
»Yo Mann« ließ sich Bob Marley vernehmen, »bleib doch mal cool. Alles easy, locker bleiben. Ist auch nicht nett, was ihr Franzosen so alles mit den Fröschen macht,«
»Das ist etwas komplett anderes!« brüllte Napoleon in Richtung der Reggae-Ikone.
»Ich denke« sagte Freud gestelzt, »die Sache ist doch eigentlich ganz klar. Sie werden sehen, es wird sich alles auflösen! Herr Teufel, erzählen sie uns doch mal von ihrer Mutter.« Freud legte den Daumen unters Kinn und sah Satan nachdenklich und konzentriert an.
Der sagte: »Mutter? Ich habe keine Mutter. Gott persönlich hat mich erschaffen!«
»Das erklärt doch wohl alles!« sagte Freud triumphierend, und lehnte sich mit wissendem Gesichtsausdruck zurück. Offensichtlich erwartete er, das ihn nun jemand frage, was eigentlich los sei. Doch die erste Frage lautete:
»Siegfried, hast du gerade einen geistigen Aussetzer?« Der Teufel sah ihn stirnrunzelnd an. »Hier bist du nicht der Therapeut.«
»Ah, der Kretin, er hat nicht einmal eine Lizenz hier oben!« giftete Napoleon.
Freud wurde puterrot im Gesicht. »Man könnte sogar sagen, ich hätte die Psychotherapie ERFUNDEN, sie Niemand!« Luzifer und Napoleon sahen sich an. »Siggi?«, sagte der Teufel behutsam »Du hast doch nicht schon wieder Kokain genommen?« Napoleon warf ein: »Wir dachten, du wärst clean? Du weißt, hier sind Drogen, Alkohol und Tabak nicht erlaubt.«
»Kokain« brummelte Freud vor sich hin, »ist gar keine Droge. Das ist eher wie Kaffee. Kaffeetrinken ist hier doch erlaubt?«
»Brother, ich kann dich irgendwie verstehen« warf Bob Marley ein. »Ich finde Kokain zwar ein bisschen hart, aber...«
»Das sagst du nur« warf Napoleon hämisch ein, »weil du selber dauernd breit bist!«
»Haschisch«, äußerte sich Bob Marley, »ist wirklich keine Droge.«
»Diese Einstellung«, konstatierte der Teufel, »erklärt vieles. Kiffen verursacht mentale Defizite. Du propagierst in Musik für schwarze Menschen den Konsum, und daher sind viele Schwarze...«
»HEY« schrie Bob Marley, »jetzt pass mal auf...« Er starrte den gefallenen Engel an.
Freud konnte nicht mehr an sich halten: »Das, Herr Teufel, haben sie nur gesagt, um Unfrieden zu stiften. Das wollten sie tun, weil sie der „Fürst der Finsternis“ sind. Und das sind sie, weil sie keine Mutter haben.« Er lehnte sich zurück, und lächelte ein Lächeln, das er bei den Fernsehübertragungen der Nobelpreisverleihungen abgeguckt hatte.
»Das ist zuviel«, ereiferte sich der Teufel, »ich zeige dir, warum man mich den Fürsten der Finsternis nennt!«. Langsam beugte er sich aus seinem Sessel vor, und ignorierte völlig Bob Marley, der gerade sagte »Yo, jetzt pass mal auf, Hörnchen. Siehst du meine Gitarre? Ich habe sie von diesen Typen aus Asgard, die den ganzen Tag diese Mega-Party in Walhalla schmeißen. Sie ist aus dem Holz des Baumes Yggdrasill geschnitzt. Deshalb hat sie einen echt coolen Klang. Außerdem ist sie praktisch unzerstörbar. Ich werde sie dir jetzt über den Schädel ziehen, ein oder zweimal, und dann ist alles wieder roger, ok?« Bob Marley erhob sich, die Gitarre, einer Keule gleich schwingend, in den Händen.
Napoleon sah sich um. Auf wessen Seite sollte er kämpfen? Mit dem Teufel? Völlig ausgeschlossenen! Einem versifften Barden? Dem Drogensüchtigen Psychoheini? Er tat, was jeder aufrechte Franzose getan hätte. Mit »Auf in die Schlacht« auf den Lippen stürmte er gegen jeden der Drei gleichzeitig an.
Infernalisches Chaos erfüllte den Raum, als sich die Tür öffnete und ein älter Herr mit langem, weißen Haar und dem dazu gehörigen Rauschebart, den Raum betrat. »’nabend die Herren« begrüßte er fröhlich die Vier, die mit dem Versuch, die World Wrestling Federation zu beschämen, innehielten, um den Neuankömmling verblüfft anzustarren. Der wiederum nickte der Gruppe fröhlich zu. »Das hier« begann er, »ist doch die Gruppe Persönlichkeitsdefizite – reden wir darüber?«
Der Teufel hatte Freud an der Gurgel gepackt, weshalb anstelle einer Antwort nur ein Röcheln zu vernehmen war. An seiner statt antwortete der Franzose: »Oui, Monsieur.« Die Gruppe, die sich wiederstrebend entknäulte, begann den Mann neugierig zu mustern. Er sah nicht gefährlich aus, ganz harmlos. Nur der Teufel musterte den Mann misstrauisch.
»Was haben sie denn getan? Weshalb sind sie hier?« krächzte Freud, während er sich den Hals rieb.
»Na ja...« der Mann sah zu Boden. »Eigentlich ist es ein wenig übertrieben und ich weiß gar nicht, ob es nötig war, hierher zu kommen. Ich wollte es mir nur mal anschauen. Das ganze liegt außerdem auch schon eine Weile zurück, ich war damals noch jung, zornig, sehr emotional... sie verstehen sicher.« Wie um sich selbst zuzustimmen nickte er und lehnte sich in seinem Sessel zurück.
»Yo, Mann, jetzt sag schon, wovon redest du eigentlich? Das hier ist eine Diskussionsrunde. Wir erzählen uns alles. Wenn du hier bist, musst du reden. Wir sind alle Freunde hier.« Bob sah den Teufel an. »Na ja, fast alle.«
»Hm«, wog der alte Mann ab, »also, wenn das hier so funktioniert, dann werde ich es wohl erzählen. Eigentlich war das damals nur eine ganz winzige Sache. Sie wirkt heute dramatischer als damals, auch wenn ich das ganze heute doch ein wenig bedaure.«
»Und sie haben was getan, Monsieur?« fragte Napoleon, nachdem der Neue daraufhin erneut zu schweigen begann.
»Ich habe die gesamte Menschheit vernichtet.« Als der Fremde die entsetzten Blicke von Napoleon, Bob Marley und Freud bemerkte, setzte er ein verlegenes »´Tschuldigung« hinzu. Als danach immer noch keiner ein Wort sagte, redete er weiter: »Meine Güte... ich habe doch gesagt, heute klingt das alles viel drastischer, als es damals war. Zu der Zeit lebten vielleicht 50.000 Menschen auf der Erde. Außerdem diente alles einem höheren Zweck. Es war zum besten aller!«
»Komisch«, sagte der Teufel, »den Spruch habe ich schon mal gehört.« Er sah den alten Mann mittlerweile nicht mehr misstrauisch, sondern eindeutig wütend an. Seine Stimme troff vor ätzendem Sarkasmus. »Von Tyrannen und Imperatoren, nach großen Kriegen.«
Napoleon musterte den Teufel wütend »Was wollen sie damit sagen, sie englischer B...«
Satan fiel Napoleon mit einem bösen Blick ins Wort. Wozu vielleicht erwähnt werden sollte, das der Teufel auf einer bösen-Blick-Skala von eins bis zehn einen Wert von grob geschätzt einer Million hätte. Gäbe es eine Olympiade, wäre er der andauernde Gewinner, hätte die Bosheit in diesem Blick eine Masse, würde sie sofort zu einem schwarzen Loch kollabieren. Schwefliger Rauch quoll aus den teuflischen Ohren. Die Vorhänge hinter Napoleon begannen zu rauchen, seine Haare kräuselten sich, als hinge sein Lockenwickler an einem Starkstromkabel. Der Boden des Raums verschwand, ein Strudel erschien, an dessen Grund Flammen loderten. Irres Geschrei hallte aus der Tiefe, und schemenhafte Dämonenfratzen waberten umher.
»Jetzt weiß ich wenigstens, warum sie hier sind« sagte der Herr in aller Seelenruhe.
»Lass den Blödsinn« brüllte der Teufel. »Ich weiß doch genau, wer du bist – du bist Gott!«
Der seufzte und schnippte mit den Fingern. Der Strudel verschwand, Napoleons Haare glätteten sich und auch die Gardinen erholten sich zusehends. »Habe ich etwa das Gegenteil behauptet?«
»Reingeplatzt bist du hier! Kein Wort hast du gesagt!«
»Wie stellst du dir das vor? Soll ich ein T-Shirt tragen mit dem Aufdruck Ich bin Gott? Dann gibt es nur noch zwei Arten der Begegnungen, die ich erfahre: Die einen laufen weg, weil sie ein schlechtes Gewissen haben, und die, die glauben, ihr Gewissen wären rein, listen mir ihre Wünsche auf.«
»Schwachsinn« knurrte der dunkle Lord, »du bist Allmächtig. Für dich ist das alles doch kein Problem.«
»Allmächtig, allmächtig, wenn ich das immer höre« sagte der HERR. Zum ersten mal blickte auch er ein wenig finster drein. »Mit solchem Gerede hat das ganze doch angefangen!«
»Jetzt hör schon auf. Wenn dir etwas nicht passt, musst du doch nur mit dem Finger schnippen!«
»Dann lass mich dir mal was erzählen. Also, ich erschaffe diese Menschen, ja? Ich betrachte sie wie Ameisen in einen Ameisenbau, die Guten kriegen einen Brotkrumen, die Bösen werden verbrannt« – an dieser Stelle hellte sich das Gesicht des Teufels deutlich auf – »na, und wenn mir alles zu viel wird, kann ich die ganze Bande ersäufen. Alles kein Problem. Bis ich einmal zu lange nicht hingeschaut hatte.
Denn dann schlug mich Tor meine eigene Erfindung! Eines Morgens kommt da nämlich dieser Grieche. Ist jetzt schon ein paar tausend Jahre her. Ich unterhalte mich eine Weile mit ihm, da stellt er mir die Frage, ob ich allmächtig wäre, was ich natürlich bejahe! Ich bin Gott! Klar bin ich allmächtig! „Nun“, sagte er „kannst du dann einen Stein erschaffen, der so schwer ist, das du ihn selbst nicht stemmen kannst?“« Grimmig starrte der Herrgott den Boden an.
»Yo, kannst du so einen Stein erschaffen?« fragte Bob neugierig.
»Lieber Bob«, begann der Teufel, als Gott, der Gedankenverloren die Stirn runzelte, nicht reagierte »wie du sicherlich weißt, geht es um die Frage, ob er Allmächtig ist. Wenn er einen Stein erschaffen kann, der so schwer ist, das er ihn nicht stemmen kann, ist er offensichtlich nicht allmächtig, denn sonst könnte er ihn ja heben. Wenn er den Stein nicht erschaffen kann, ist er offenbar ebenfalls nicht allmächtig. Was beweist, das Selbsterkenntnis nicht immer der Weg der Besserung ist. Diese Erkenntnis selber steht allerdings in keinem Zusammenhang zur reziproken Kohärenz zwischen dem Popularitätsgrad deiner quasi-ästhetischen Schöpfungen und dem intellektuellen Level gewisser Bevölkerungsschichten.«
Nach zweisekündigem Schweigen sagte Bob Marley: »Ich spüre bad vibes Brother....
Ich habe mich da noch nicht ganz durchgekaut und bin mir deshalb nicht sicher, ob ich in einem Buch nach-, oder lieber auf dein Bockgesicht einschlagen sollte. Ich könnte dir etwas vorspielen! Kennst du das, Hörnchen?« Marley begann zu singen »If I had a hammer, a Hammer, Hammer, Hammer…« Damit stand er auf, holte mit der Gitarre aus, und ließ sie begleitet von einem sonoren Zischen auf den Teufelskopf krachen. »Könnte ein Hit werden, meinst du nicht?«
»Herr Teufel,« mischte Freud sich ein, »haben sie schon einmal darüber nachgedacht, das ihre aggressiven Tendenzen auf ein gestörtes Mutter-Sohn Verhältnis zu ihrem Vater herrühren?«
»Was?« – der Teufel glotzte Freud blöd an und befreite sich knurrend vom zerstörten Gitarrenrahmen, der um seinen Hals baumelte.
»Nun, wie sie selbst äußerten« fuhr Freud unbekümmert fort, »hat dieser Gott sie erschaffen und übernimmt dadurch natürlich auch die Rolle der Mutter. Können sie mir folgen? Wir nähern uns dem Knackpunkt: Erzählen sie uns doch mal von ihrer ersten sexuellen Erfahrung!«
»WAS?!?« brüllte der Teufel. Er wäre vermutlich rot geworden, wenn das nicht schon seine Hautfarbe gewesen wäre. So näherte er sich über Purpurrot dem Lila. »Du kleiner, perverser... das geht dich überhaupt nichts an!«
»Nun« eröffnete Gott, »ich erinnere mich da an einen kleinen, süßen, blonden Engel der lieblich auf seiner Harfe spielen konnte. Und an einen gewissen Luzifer, der...«
Napoleon unterbrach ihn mit brüllendem Gelächter. »Worüber lachst du, Franzmann?« fragte der Teufel wütend.
»Ho-ho-ho-hooo!« antwortete Napoleon lachend »Ich muss mir gerade vorstellen, wie ein englischer Bastard mit großen Augen und ein kleiner blonder Engel das Bett teilen. Was entschlüpft einer solchen Verbindung? Rote Fish’n’Chips mit Flügeln?«
»No, Man«, warf Bob Marley ein, »er ist doch ein Engel, right? Er wurde nicht geboren, sondern erschaffen. Er ist geschlechtslos. Darum kann er auch keine Nachkommen zeugen. Er hat nicht mal einen...«
»Ha!« schrie Freud, »ich hab’s gewusst! Ich hab’s gewusst!«
»Rrrrrrrruuuuuhe!« brüllte der Teufel, »Diese Beziehung war rein platonisch!«
»Platon!« sagte Gott und tippte sich dabei mit dem Finger gegen die Stirn »Genau, so hieß der Kerl!«
»Welcher Kerl?« grummelte der Fürst der Hölle misstrauisch.
»Na, der Kerl, der mir diese blöde Frage gestellt hat. Ich habe ihn gleich zu dir geschickt!«
»Ja, danke auch« erwiderte der Teufel »an den kann ich mich noch gut erinnern. Am Eingang der Hölle verwickelte er Cerberus in ein Gespräch, in dessen Verlauf sich seine drei Köpfe zerstritten. Ich musste höchstpersönlich einschreiten, den Hund entknoten, den Griechen einlassen und für den Rest des Tages dort Wache stehen. Cerberus lag KO in seinem Körbchen. Zur Strafe hatte ich mir etwas besonders perfides ausgedacht: Platon sollte die Hölle vermessen. Da die endlos ist, hätte er eigentlich viel zu tun haben müssen. Unglücklicherweise war er nach einer Woche fertig und konnte mir die ewigen Weiten der Hölle auf eine Elle genau berechnen. Das Elend dabei war, das die Hölle unendlich viel kleiner war, als ich vorher gedacht hatte – der Kerl hatte die Höhle endlich gerechnet! Da habe ich ihn zur Strafe auf ewig mit Sokrates in einen Raum gesperrt!«
»Und wie geht es den beiden heute?« fragte Freud neugierig.
»Schwer zu sagen«, antwortete der Teufel, »niemand geht gerne hin um nachzuschauen. Die beiden verwickeln jeden gleich in eine Diskussion. Zumindest was die beiden angeht war Dante im Unrecht.« Er warf einen verschmitzten Blick in die Runde.
»Wovon redet der Kerl?« fragte Napoleon.
»Von Leuten wie ihm« begann Freud und deutete auf den Teufel »und ihnen, die in einem Raum gefangen zusammen die Ewigkeit verbringen müssen. Dante schrieb ein Buch darüber.«
»Niemand ist wie ich!« ereiferte sich Napoleon. »Wer ist dieser Dante überhaupt?«
»Ah«, klagte der Teufel »müssen wir andauernd über meine Problemfälle sprechen? Dante, Platon, Aristoteles... das sind keine Namen, die ich gerne höre.«
»Äh«, versuchte Freud zu formulieren, »sie« er deutete auf Gott »wie soll ich sie eigentlich nennen? Herr...«
Gott nickte bedächtig. »HERR – das ist eigentlich ganz gut.«
»Ich soll ihren Namen schreien?«
»Nein, es ist vielmehr... na ja, so eine Art lauter Singsang, sie verstehen?«
»No, Man« ließ Bob Marley sich vernehmen »so wie du HERR ausgesprochen hast, hat es nur eine Silbe. Das kann man nicht singen. Davon verstehe ich was. Du hast gebrüllt, Brother!«
»Ich habe dich damals gewarnt« sagte der Teufel mit einem süffisanten Grinsen zu Gott »es war eine schlechte Idee, kein elftes Gebot mit reinzunehmen – Wenn ich dir etwas sage, halt die Klappe und stell keine Fragen – was gab es daran auszusetzen? Ich gehe jede Wette ein, daran hätten sich die Leute eher halten können als an das blöde erste Gebot. Und wir hätten alle etwas davon gehabt.«
»Nun denn, Herr HERR« wollte Freud beginnen.
»Moment«, wurde er von Gott unterbrochen »HERR alleine reicht.«
»Ist das ihr Vor- oder Nachname?«
»Was mich viel mehr interessieren würde, ist die Antwort auf die Frage« dachte der Teufel laut nach, während er mit einem Finger auf Freud deutete »wie dieser Knilch da überhaupt in den Himmel gekommen ist.«
»Das fragst ausgerechnet du?« wunderte sich Napoleon.
»Ich habe Beziehungen« knurrte der Teufel.
»Freud leider auch« kam es resigniert von Gott. »Er hat irgend einen Deal mit Petrus. Ihr wisst ja um seine Hobbys.«
Ein zustimmendes Gemurmel der Gruppe erhob sich, aus der sich Freuds Stimme löste »Ein sehr interessantes Hobby übrigens. Aber zurück zum Thema. Nun, ähm, „HERR“, erzählen sie mir doch einmal von ihrem gestörten Verhältnis zu Luzifer, ihrem Sohn. Ich habe gehört, es gab da einen ernsten Streit in der Vergangenheit?«
»Ha!« entfuhr es dem Teufel.
Gott erbebte vor Zorn. »Sohn? Das ist absurd! Ich habe ihn erschaffen! Er ist mein... Geschöpf. Außerdem ist das nicht das Thema hier! Und es geht Sie überhaupt nichts an! Wir werden nicht darüber sprechen. Ich verbiete es!«
»Yo Man«, Bob hatte beide Hände besänftigend erhoben, »Man muss aber über alles sprechen! Das ist einfach nur...« er suchte nach einem Wort.
»Unfranzösisch?« warf Napoleon ein.
»Logisch« ergänzte Freud.
»Hey, umarmt euch doch mal« war Marley zu hören.
»Oui! Und küssen! Das ist französisch!«
Gott sagte erbost: »Ja, klar, sonst noch was? Vielleicht Herrn Luzifer auch noch in die Familie zurückholen? Die Hölle schließen und alle Seelen in den Himmel kommen lassen?«
»Das klingt gar nicht schlecht« warf Freud ein. »Man könnte sich mit interessanten Leuten unterhalten. Platon wäre sicherlich ein außerordentlicher Diskussionspartner, den ich gerade jetzt durchaus misse.«
»Das«, sprach der Teufel an Gott gewandt »wäre keine schlechte Idee. Aristoteles kannst du auch gerne nehmen.«
»Auf keinen Fall!« donnerte der HERR »Und überhaupt, was würdet ihr mit all den Mördern machen? Mit den Gewalttätigen? Den Betrügern?«
»Wir könnten sie therapieren!« rief Freud aus.
Der Teufel lächelte finster. »Das wäre wahrlich eine höllische Strafe. Und ich weiß, wovon ich spreche. Oder was meinst du?« Er sah Gott an.
»Genau« beeilte der sich, zuzustimmen »das wäre eine Strafe für uns alle! Das will doch niemand!«
»Monsieur«, begann Napoleon Gott anzusprechen, »das ist es bereits jetzt. Alle meine Verwandten, Freunde und Verbündete sind in der Hölle. Wieso nicht die Hölle in den Himmel verlegen?«
Gott runzelte nachdenklich die Stirn »Hm, wissen sie, das hat auch verwaltungstechnische Gründe. Das ist alles nicht so einfach. Genauer betrachtet hätte der Plan ja was für sich. Allerdings ist es so zu kompliziert. Wenn ich allerdings den Himmel in die Hölle verlege, anstatt umgekehrt, ist es sehr viel einfacher.«
»Hey, Dude« warf Bob ein, »würde das nicht bedeuten, dass alle ab sofort immer in der Hölle landen? Wär’ das nicht ungerecht?«
»Schon« musste Gott einräumen »aber die Verwaltung wäre viel einfacher. Wir müssten die Seelen der Verstorbenen nicht mehr prüfen. Und es gäbe keine Therapie. Eigentlich eine Win-Win-Situation.«
Napoleon lächelte listig. »Oui. Aber es gäbe immer noch diese Runde. Und sie müssten Petrus erklären, warum sie fortan in der Hölle stattfindet.«
»Warum sind sie eigentlich im Himmel« wandte Gott sich echauffiert an Napoleon.
Der Teufel grinste nur. Napoleon explodierte förmlich, warf sich auf den Teufel, wurde aber noch im Sprung von Bob Marley und Freud aufgehalten. Er zappelte wild in ihren Armen und spukte Gift und Galle in Richtung des Teufels. »Sie... sie... englischer Bastardfreund.«
»Hahaha«, lachte der Teufel »ich weiß gar nicht was sie haben. Wollen sie darüber reden?«
»Was ist eigentlich hier los?« wunderte sich Gott. »Warum ist Napoleon so wütend?«
»Unser Freund hier« eröffnete Freud, »hat einen kleinen Komplex«
»Das ist nicht wahr!« schrie Napoleon, »Ich habe keinen Komplex weil ich klein bin! Ich bin nämlich nicht Klein! Hören Sie? Ich Bin! Nicht! Klein!«
»Natürlich, natürlich, wie dumm von mir« lenkte Freud ein, um sich nicht den Zorn des Korsaren einzuhandeln. Dabei zwinkerte er Gott zu und flüsterte: »Ein Fehler in der höllischen Verwaltung – sie haben ihn versehentlich in den Himmel geschickt, da Kinder nicht in die Hölle dürfen. Der Teufel zieht ihn gerne damit auf...«
Tatsächlich war Napoleon ziemlich klein. Aber nicht dumm. Nur unterschätzt. Es gab in der Geschichte viele Anführer, die unter dem einen oder anderen Komplex litten. Und es waren immer ein paar der dabei, die das abnorme Verhalten nur simulierten, um dahinter ihr Genius zu verstecken. Napoleon dürfte wohl der einzige sein, der seine Intelligenz erfolgreich hinter seinen vielen realen Komplexen versteckte – seiner reaktionären Engstirnigkeit, den Minderwertigkeitsgefühlen oder seines Größenproblems, beispielsweise. Daher überraschte er die Anwesenden mit der Eloquenz der Worte:
»Monsieur Petrus hat gesagt, ich solle mich nicht so sehr aufregen. Das wäre meinem mentalen Esprit nicht zuträglich. Er hat natürlich recht. So ist mir nämlich gar nicht aufgefallen, das der Teufel eben mit einem kleinen Kommentar bezüglich der Unannehmlichkeiten einer Therapie erfolgreich vom Thema abgelenkt hat. Wir hatten gerade überlegt, sie beide zu versöhnen. Und eine Art Gruppensitzung zu initiieren. Ihr Hinweis« – er nickte Gott zu »das wäre eine Strafe für alle, beweist lediglich, das sie eine Abneigung gegen solche Gespräche haben. Die Aussage ist allerdings nicht verbindlich für die anderen Seelen.«
»Yo, er hat Recht. Ich habe schon ewig nicht mehr mit Hendrix geredet! Warum werden wir nicht befragt? Warum funktioniert das hier nicht demokratisch?«
»Demokratie« sagte Gott geziert, »gibt es nur unter Gleichgestellten.«
»Sie haben uns nach ihrem Ebenbild erschaffen!« warf Napoleon ein.
»Haben eine Familie, einen Familienstreit, können sich ärgern, freuen...« ergänzte Freud.
»Reden nicht gerne über ihre Probleme« sprach Bob Marley, sich auf Gott beziehend und Napoleon anschauend.
»Und Sie sind manchmal gewalttätig. Alles in allem keine Qualifikationen, die ein Mensch nicht zu erbringen imstande wäre.« schloss Freud.
»Und wie nennen wir den Laden hier dann?« brummte Gott »Hömmel oder Hille?«
»Außerdem« beeilte sich Satan hinzuzufügen »gibt es so was schon. Die Erde. Sie macht den allerwenigsten Menschen Spaß.«
»I feel good vibes, Brothers. Ihr seid euch einig in eurer Uneinigkeit.«
»Was natürlich ein Problem ist« schmunzelte Freud »denn wenn ihr euch einig seid, umarmt ihr euch bereits, wenigstens metaphorisch.«
»Wenn ihr euch sowieso umarmt« schnarrte Napoleon »könntet ihr es gleich Richtig machen.«
»Yo Man! Ende mit diesem Himmel und Hölle Kram« intonierte Bob.
Gott und Teufel umarmten sich.
Die Hölle wurde aufgelöst, Papst Benedikt arbeitslos und ein Expresslift zur Erde gebaut. Die vier apokalyptischen Reiter hatten Sitzungen bei Freud, der nun auch einen Therapieschein besaß. All die religiösen Streitigkeiten wurden beigelegt. Die Staatlichen sowieso. Niemand wiedersprach, wenn Gott und Teufel zusammen ihr Wort erhoben und die Welt erblühte unter einem andauernden Frieden. Hunger, Krieg und Krankheit waren besiegt. Ausgelöst durch einen überdrehten Geisteswissenschaftler, einen komplexbeladenen Ex-Kaiser und einen Popstar mit schlechtem Gewissen.
Es kam wirklich selten vor. Aber manchmal, unter sehr speziellen Umständen, wie Gott bestätigen konnte, stellte sich die Torheit des Morgens als die Weisheit des Abends heraus. _________________ In Religionskriegen geht es darum, wer den cooleren imaginären Freund hat. |
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