"Ich nehme diesen Preis nicht an"

Diskussion zu Kinofilme, Kultfilme, Spiele und Musik sowie Science-Fiction, Mystery & Fantasy-Bücher.


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alarich
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"Ich nehme diesen Preis nicht an"

15.10.2008 - 02:26

http://www.stern.de/unterhaltung/film/: ... 42019.html


Marcel Reich Ranicki lehnte den deutschen Fernsehpreis ab. Nun, seid ein paar Wochen besitze ich selber einen Fernseher und ich muss sagen das er zum Teil recht hat. Ja, es gibt gute Programme aber manches ist einfach nur noch peinlich. Als Beispiel nehme ich mal "Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" 21.15 auf RTL2 am Montag.

Eine Sendung an der eine Person an einen Lügendetektor angeschloßen wird und dann Fragen beantworten muss. Wenn sie die Wahrheit sagt, dann kriegt sie Geld bis zu 25.000 Euro. Klingt erstmal nicht schlimm, aber ich habe es mir gestern angesehen.
Zur Erklärung: Die Kanidatin war eine Managerin die am Ende mit 10.000 Euro nach Hause ging. Doch was hatte sie dafür erzählt?
Zunächst einmal hatte sie zugegeben das sie ihre beste Freundin nicht ernst nimmt, ihm den Freund ausspannen will und Geschenke von ihr weiter verschenkt. Die beste Freundin kündigte daraufhin die Freundschaft.

Des weiteren gab sie zu das sie ausländerfeindlich ist, schon mal ihren eigenen Urin getrunken hat, Sex mit mehreren Männern hatte und sich schon einmal für Sex verkauft hat.

Und ich muss zugeben das ich nicht wegschalten konnte. Zu interessant war es wie sie sich so offenbarte. Klar, es ist nichts neues für uns alle Informationen von uns zu verkaufen. Auf der einen Seite regen wir uns über Schäuble unc Co. auf, aber auf der anderen Seite nehmen wir jede Rabattkarte an (wobei unsere Daten verkauft und unser Kaufverhalten erforscht wird) und geben im Studivz und anderen Einrichtungen zu das wir Säufer, Kiffer und Kotrophile sind.

Aber darf man zulassen das ein Mensch sich so ein Leben ruiniert? 10.000 Euro scheinen eine Menge Geld zu sein, aber sie hat ihre beste Freundin verloren und wird in Zukunft als Managerin vollkommen unglaubwürdig sein. Würdet ihr euch von jemanden vertreten lassen, der seine Pisse trinkt, rassistisch ist und eine Prostituierte?

Ist es unser gottgegebenes Recht unsere Haut zu Markte zu tragen oder muss man uns vor uns selbst schützen? Darf man zulassen das sich Menschen so im Fernsehen erniedrigen?

Übrigens: Diese Show wird wohl so schnell nicht abgesetzt. Sie hat hohe Einschaltquoten und die Produktionskosten dürften faktisch gegen 0 gehen. Es gibt ja nichts weiter als einen drittklassigen Moderator, ein kleines Studio und einen Lügendetektor samt Opfer.
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twix12
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15.10.2008 - 02:54

Ich will jetzt nicht direkt sagen, dass Ranicki durchgehend Recht hat, aber tatsächlich ist es unbestreitbar so, dass das medium Fernsehen von der informierenden Funktion in die hauptsächlich unterhaltende Aufgabe abgedriftet hat. Und gerade private Sender bringen den größten Mist, doch auch die öffentlich rechtlichen kann man mittlerweile häufiger wegschalten als früher.

Diese von alarich beschriebene Sendung war mir persönlich zu niveaulos, das muss ich an dieser Stelle klar sagen. Aber ich gestehe ehrlich, dass ich auch häufig an Stelle einer Nachrichtensendung z.B. Spongebob Schwammkopf schaue (wobei die Sendung bei genauerer Betrachtung recht hohes Niveau hat, aber egal).

Im Grunde ist gegen unterhaltungsfernsehen nichts einzuwenden, aber Sendungen, deren Konzept darin besteht, dass Privatpersonen bloßgestellt werden, welche eindeutig zunehmend über die Bildschirme flimmern, stellen durchaus einen moralischen Verfall dar - sowohl von Sehenden wie Sendenden.

Und diese Entwicklung der moralischen Ignoranz und gnadenlosen Ausbeute von möglichen Konzepten wird nicht nur von Leuten mit Sorge betrachtet, die sich ständig arte ansehen. Auch Stephen king hat das bereits in einem Buch dargestellt, welches auch mit Arnold Schwarzenegger verfilmt wurde. Darin geht es um eine TV-Show, in der sich Kriminelle gegenseitig in einer Art Parcours töten müssen, um die Freiheit zu erlangen. Als ich diesen Film (das Buch hab ich ehrlich gesagt nie gelesen) das erste mal gesehen habe, hielt ich das für absolut abwegig, aber mit der Zeit haben mich diverse Sendungen dazu gebracht, so ein Konzept doch als realistischer zu betrachten, als ich eigentlich wahr haben möchte.

Der Film "Todeskandidaten" (ironischerweise eine WWE-Produktion) prangert die Trendentwicklung zu solchen "Reality-Shows" auch an, wenn natürlich auch überzogen (ebenso wie der oben beschriebene "Running Man").

Schlussendlich muss ich aber nochmal betonen, dass die moralisch vertretbare Grenze des Unterhaltungsfernsehens bereits erreicht wurde.
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alarich
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15.10.2008 - 03:14

Aber man muss hierbei auch noch eine Sache zur Verteidigung der Privaten sagen: Sie sind Konzerne die nichts weiter machen als die Nachfrage zu befriedigen. Und das wollen eben die Menschen sehen. Wer interessiert sich schon für das Leben der gemeinen Nacktschnecke? Aber wenn sich beim Frauentausch die Familien anzicken, da ist jeder begeistert.

Man kann ihnen nicht direkt einen Vorwurf machen weil sie ein billig produziertes Produkt liefern das maximalen Gewinn einbringt. Bei den öffentlich rechtlichen ist das natürlich was anderes. Die kriegen unsere Rundfunkgebühren und haben dafür auch etwas zu liefern was uns nicht verdummt.ö
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15.10.2008 - 03:17

alarich hat geschrieben: Bei den öffentlich rechtlichen ist das natürlich was anderes. Die kriegen unsere Rundfunkgebühren und haben dafür auch etwas zu liefern was uns nicht verdummt.
Was aber gerade die Dritten Programme nicht wirklich tun. Wer das gegenteil behauptet schaue sich bitte mal einen Tag lang MDR an :?

Aber ich muss dir schon recht geben, die privaten sind selbstverständlich auf Einschaltquoten angewiesen, genau wie auf Sendungen, die nicht teurer zu produzieren sind, als sie einbringen. Nur die zunehmende Skrupellosigkeit prangere ich an, nicht Unterhaltungsfernsehen an sich. Konzepte wie z.B. Mythbusters sind ja auch Unterhaltungsshows, aber dümmer wird man dadurch nicht, und erst Recht werden keine ganzen Familien samt ihrer natürlich vorhandenen Probleme für Hunderttausende zur Schau gestellt - nur Buster verliert eben mal ein Körperteil oder sowas.

Oder Shows wie "Wetten, dass..?" oder "Schlag den Raab", die ja auch ohne Frage auf Unterhaltung abzielen. Unterhaltung ist ja auch nichts schlechtes, jeder Mensch lässt sich gern unterhalten, auch vom Fernsehen (ich eingeschlossen). Ich schau mir ja auch mal hirnlose Grütze an, wie Gerichtsshows. Sich einfach mal berieseln lassen hat durchaus einen Reiz, aber wie gesagt hört das für mich da auf, wo menschliche Schicksale einfach nur ausgebeutet werden.
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15.10.2008 - 07:15

/rant an

Deutsches Fernsehen ist ein schlechter Scherz. Und das bezieht sich gar nicht mal auf die Qualität von Trash-TV, wozu man nicht viele Worte verlieren muß, sondern schlichtweg auf die Vermarktung und Produktion und die Blödheit der deutschen Zuschauerschaft.

Aber fangen wir mal methodisch an. Wir haben auf der einen Seite die öffentlich-rechtlichen Sender und auf der anderen Seite die Privatsender.
Die öffentlich-rechtlichen haben vereinfacht gesagt per Definition die Aufgabe zu informieren und zu bilden.
Zu glauben, daß sie dem Bildungsauftrag nachkommen können ist lächerlich. Jedenfalls wenn man unter Bildung das versteht, was einem durch ein Buch oder durch methodischen Unterricht vermittelt werden könnte. Das haben die Sender im wesentlichen erkannt und betreiben daher Infotainment. Zwar nicht so schlimm, wie die Privaten das mit Galileo oder Welt der Wunder tun, aber immernoch schlimm genug, als daß ich, wenn ich mir diverse Dokumentationen alá Guido Knopp oder die dämlichen Sendungen aus dem Zoo anschaue meistens nach zehn Minuten dasitze und den Kopf schüttle.
In dem Zusammenhang möchte ich noch kurz Arte und Phoenix ansprechen, die manchmal als positiv herausstechende Beispiele genannt werden. Es stimmt zwar, daß deren Programme vom Produktionswert (und ich beziehe mich damit deutlich nicht auf Geld) höher angesiedelt ist, als die meisten Programme von ARD und ZDF, aber das macht sie weder gut, noch die beiden Sender vernünftig. Grund dafür liegt darin, daß Phoenix zumindest ganz stur seine Linie hin in Richtung Bildungsauftrag durchzieht, und damit zwar manchmal Glückstreffer landet, aber keinerlei Interesse am Zuschauer zeigt und damit eindimensional bleibt und Spaghettitaktik betreibt: An die Wand schmeissen und mal schauen was kleben bleibt.
Arte hingegen erscheint mir als ziemlich selbstverliebt (in den USA würde man "high brow" sagen, was es besser trifft) und letztlich damit beschäftigt eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, als die tatsächlich bestehende Öffentlichkeit zu bedienen. Das kommt in bestimmten Kreisen - vornehmlich die mit höherer Bildung - gut an und zugegebenermaßen ist arte bisweilen auch für mich ansprechend, aber in der Breite betrachtet schränkt sich der Sender nur ein, und schafft es nicht gute Produktionen für eine Breite Öffentlichkeit zu erschaffen. Das finden die nicht schlimm, weil sie sich ja als Spartensender sehen, aber aus einem Zusammenhang der weiter unten deutlich werden sollte, ist "Spartenfernsehen" so wie es arte betreibt, eine ziemlich linke und arrogante Nummer.

Auf die ganze Nummer wie öffentlicher Rundfunk in Deutschland finanziert wird möchte ich gar nicht eingehen, weil ich es für eine Schweinerei sondergleichen halte.
Worüber ich allerdings kurz reden will, ist die typisch deutsche Art in der die Öffentlichen strukturiert sind.
Warum existieren Regionalsender wie der BR, NDR, RBB und SWR überhaupt? Welchen objektiv nachvollziehbaren Grund gibt es dafür? Gut sie wollen regional informieren. Können sie gerne tun, aber ich bezweifle, daß es notwendig ist einen ganzen Sender dafür zu gründen. Sat 1 hat lange Zeit Regionalnachrichten produziert und die für eine Stunde pro Tag in der jeweils betreffenden Region eingespeist. Kann sogar sein, daß sie das immernoch machen. Jedenfalls hat das gut funktioniert und die ARD sollte sich daran ein Beispiel nehmen, vor allem deshalb weil ich - wenn ich Gebührenzahler wäre - es nicht einsehen würde, warum ich den völlig überblähten Apparat der Öffentlichen mitstamt den Grabenkriegen, und dem Hickhack mitfinanzieren sollte. Und nein, ich bin kein Schwarzseher (verblödeter Begriff übrigens) sondern ein gar nicht Seher. Der WDR bildet hier eine Ausnahme, über die ich weiter unten spreche.

Davon mal abgesehen halte ich es für ein Armutszeugnis der deutschen Kultur, daß sich das öffentlich rechtliche Fernsehen auch nach Jahren nicht entblödet Entgleisungen wie Musikantenstadl, öberfränkischer Inzuchtmusikantenzirkel und die ganzen dämlichen Kochsendungen aus dem Programm zu nehmen. Klar erreichen sie damit enorme Marktanteile, aber die objektive Qualität (und ja sowas existiert in dem Fall) ist gleich null.
In richtigen Ländern - und ich zweifle zunehmend, daß man Deutschland dazu zählen kann - EXISTIERT SOWAS SCHLICHTWEG GAR NICHT und die BBC würde sich darüber totlachen, womit sich deutsche Zuschauer abspeisen lassen. Naja gut. Naked Chef und Hells Kitchen, aber wenn man das mal mit dem dämlichen Mälzer, Lafer oder Kerner vergleicht wird deutlich worauf ich hinaus will.

Womit ich zum nächsten Punkt komme. Der internationale Vergleich öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Im wesentlichen fällt das kurz aus. Hier haben wir unsere Sender und der einzig wirklich relevante ist die BBC - der großartigste Sender der Welt.

Ich appeliere an jeden sich mal Programme der BBC anzuschauen und sie mit deutschen Produktionen zu vergleichen. Der unterschied was die Qualität und Produktionswerte angeht ist so gewaltig, daß wenn man sich verdeutlicht, einem nur die Kinnlade runterfallen kann.
Ich meine bei der BBC finden wir Sendungen wie Top Gear das weltweit 385 Millionen Zuschauer hat! Sucht mal bitte eine deutsche Sendung die das schafft und das Englisch nunmal lingua franca ist, hat nur bedingt etwas damit zu tun.
Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen, was die BBC produziert bzw. produziert hat: Doctor Who, Blackadder, Fawlty Towers, Monty Python's Flying Circus, The Naked Chef, Planet Earth, Survivors, Till Death Us Do Part, Little Britain usw.
Wenn man die letzten 20 Jahre nicht gerade auf dem Mond verbracht hat, sollten die jedem ein Begriff sein. Außerdem ist das nur eine ziemlich wahllose kurze Liste. Würde man jetzt die BBC einschalten würde ich einiges darauf verwetten daß man besseres Fernsehen bekommt als bei ARD usw.
Übrigens sind viele Programme so gut, daß sie in Deutschland vom Privatfernsehen aufgegriffen werden. Die können die dann nämlich gewinnbringend vermarkten, was nur ein weiteres Armutszeugnis für den öffentlichen Rundfunk in Deutschland ist.
Auch viele der hochgelobten Dokumentationen auf arte und Phoenix sind BBC-Produktionen.

Zugegebenermaßen schaue ich wenig deutsches Fernsehen, aber wenn ich mal überlege, was in den letzten Jahren vom Produktionswert auch nur ansatzweise an die Programme der BBC heranreichte, ganz zu schweigen vom Erfolg, fallen mir eigentlich nur Blind Date, Windstärke 7 und Dittsche ein. Letztere sind Produktionen des WDR was kein Zufall ist. Der WDR ist einer der wenigen Sender die ich in Deutschland gelten lasse, zumindest was den Versuch angeht gehaltvolle Sachen zu produzieren. Daß er in Nachkriegsdeutschland im Wesentlichen nach dem Muster der BBC geschaffen wurde, sollte keinen überraschen.

Auch was die Berichterstattung angeht, genießt die BBC weltweit bis heute einen einmaligen Ruf. Im Detail möchte ich darauf gar nicht eingehen, sondern nur daran erinnern,was Edmund Hillary sinngemäß gesagt haben soll, nachdem in Tensing Norgay auf den Gipfel des Mt. Everest geschleppt hatte: "Wenn die BBC darüber berichtet müssen wir es ja tatsächlich auf den Gipfel geschafft haben."

Bevor ich jetzt mit dem love fest für die BBC aufhöre noch die kurze Anmerkung, daß im Vereinigten Königreich übrigens genau das Usus ist, was ich weiter oben beschrieben habe: Die BBC produziert Regionalprogramme, z.B. für Schottland und speist die lokal für bestimmte Zeiten ein. Aber dafür einen eigenen Sender mit selbständigen Sendeplan zu schaffen, würden die nicht in tausend Jahren machen, weil es schlichtweg eine Scheißidee ist. Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen und die diffuse Angst vor der Gleichschaltung seines öffentlich rechtlichen Runfunks überwinden.

Übrigens kostet die BBC pro Jahr rund 140 Pfund. Das sind rund 20€ weniger als man in Deutschland zahlt.

Kommen wir mal zu den Privaten. Die sind in Deutschland einerseits eine Schande und andererseits bewundernswert. Eine Schande weil sie es offtmals nicht schaffen Serien die anderswo Marktanteile von über 40% haben erfolgreich und sinnvoll zu vermarkten und bewundernswert, weil sie genug zynischen Sachverstand haben um zu begreifen, daß man sich in Deutschland mit Sendungen die in der Produktion praktisch nichts kosten (Salesch, Talkshows, Frauentausch, Top100-Shows usw.) gewinnbringend tragen kann.

Um ein paar Beispiele anzuführen: "Lost" läuft in den USA mit einem Marktanteil von jenseits von Gut und Böse. In Deutschland hingegen hat sich Pro7 nie ernsthaft um die Vermarktung bemüht, was dazu führt daß es ins Programm nach 22 Uhr verbannt wurde. Lächerlich so eine Sendung auf dem Sendeplatz zu verschwenden.
Dann fallen noch Battlestar Galactica, Heroes und ROME ein, die in Deutschland ein Schattendasein bei RTL2 fristen mußten/müssen. In den USA und Großbritannien sind das sowohl was die Qualtität als auch die Zuschauerzahl angeht großartige Erfolge.
Die Liste könnte man ewig fortsetzen, ich erwähne nur kurz The Sopranos, Band of Brothers, Doctor Who, Grey's Anatomy, South Park usw. Betrachtet man, wie erfolgreich diese Serien in ihrem Ursprungsland laufen, und was damit in Deutschland passiert bzw. nicht passiert, kann man ungeachtet was man denn nun von der einzelnen Serie halten mag, nur mit dem Kopf schütteln.

Eine Ausnahme bildet im gewissen Umfang RTL. Die hatten zumindest genug Intelligenz sich House und Prison Break zu sichern und bemühen sich zumindest teilweise damit Erfolg zu haben. Das entschädigt aber nichtmal ansatzweise dafür, was sie einem am Rest des Tages antun.

Weiterhin gibt es zwei Sachen die ich nie begreifen werde. Warum sichern sich die öffentlichen nicht mehr Rechte an ausländischen Erfolgsserien (BBC tut es) und warum muß man als deutscher Zuschauer eine Staffel warten bevor man aktuelle Folgen zu sehen bekommt? Ich meine ich persönlich schaue mir Serien auf Englisch an, weil die Qualität der Synchronisation so schlecht ist, daß man damit Bücher füllen könnte, aber der Großteil der Zuschauer braucht nunmal eine deutsche Fassung. Warum ist es also nicht möglich daß RTL beispielsweise zu Fox sagt: "Hey, wir haben von euch House gekauft und die erste Staffel lief in Deutschland erfolgreich. Jetzt wollen wir aber nicht ein Jahr darauf warten, bis wir die zweite Staffel synchronisiert haben. Hier habt ihr Geld, lasst uns dafür direkt in die Produktion einsteigen, damit Synchronisation und Produktion neuer Folgen parallel laufen können."

Versteh ich einfach nicht. Aber ich bekomme ohnehin zunehmend mehr den Eindruck, daß ich zu blöd bin um zu begreifen, wie Deutschland funktioniert.

Jetzt noch zum letzten Punkt. Warum können in Deutschland keine hochwertigen Sendungen produziert werden? Ich meine klar, wir haben den "Bullen von Tölz", "Alarm für Cobra 11", "Tatort", "GZSZ" und die ganze Scheiße, aber wenn ich mal daneben "House", "Heroes" oder "Lost" stelle, kann man sich nur totlachen.
Woran das liegt, weiß ich nicht. Vor ein paar Monaten war mal ein Artikel in der Zeit, wo der ehemalige Chef von Sat 1 sehr lang über genau den Punkt gesprochen hat. Damals ging es darum, daß Sat 1 versucht hat eine Serie zu produzieren, die von typisch deutschen Serien variierte. Die Charaktere waren differenzierter gezeichnet, die Story düsterer...selbst die Farbpalette wurde amerikansichen Standards angeglichen.
Kurzum: Kam beim deutschen Zuschauer nicht an.
Woran liegt das? Sind wir wirklich so dämlich Qualität nicht zu erkennen, wenn sie vor uns liegt oder sind wir sie einfach nicht gewohnt?

Mir ist klar, daß deutsche Sender nicht über die gleichen finanziellen Mittel verfügen, wie CBS, ABC und FOX und ich will bestimmt auch keine Fernsehlandschaft wie in den USA, aber es muß doch trotzdem möglich sein, sich ein erfolgreiches Marketing zuzulegen und gute Eigenproduktionen zu erschaffen.

/rant aus

Ich fasse nochmal kurz zusammen was nach meiner Ansicht mit dem deutschen Fernsehen nicht stimmt.

-die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten haben eine schwachsinnige Organisationsstruktur

-sämtliche Sender legen keinen Wert auf Produktionsqualität, sondern favorisieren, diejenigen Sendungen, die bei geringst möglichen Kosten die höchsten Zuschauerzahlen erreichen

-sämtliche Sender versagen beim Marketing einzelner Sendungen komplett und bleiben hinter den Möglichkeiten des jeweiligen Programms zurück

-zuviele nutzlose, teure, erfolglose, identische Spartenprogramme

-die deutschen Zuschauer sind nur Dreck gewohnt und erkennen außergewöhnliche Qualität bei neuen Sendungen nur äußerst selten, wenn sie vor ihnen liegt

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alarich
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15.10.2008 - 10:48

Nun, die Qualität von deutschen Filmen ist nicht soooo schlecht. Es gibt da das kleine Fernsehspiel, kommt glaube ich Montags um 00:15 auf ARD. Natürlich eine Zeit in der man normalerweise nicht fernsieht, also sehr unintelligent gelegt. Aber es ist die einzige Chance das man mal einen anständigen Film von jungen, deutschen Nachwuchsschauspielern und Regisseuren sieht.

Zu den Serien: Inzwischen sind amerikanische Serien fast genauso aufwendig präsentiert wie Filme. VOr einigen Jahren waren sie noch eher Billigprodukte und richtige Kinoschauspieler ließen sich darauf nicht ein. Inzwischen ist das anders. David Duchovny hat inzwischen ein paar Kinofilme gemacht, macht jetzt aber wieder ne Serie. Genauso James Belushi, Alyson Hannigan und andere. Davon kann deutsches Fernsehen nur träumen. Ich glaube kaum das Till Schweiger oder Jürgen Prochnow eine stetige Rolle im deutschen Fernsehen übernehmen würden. Und auch sonst ist das Budget viel niedriger. Dann müssen eben abgehalfterte Ex-Musikstars wie Jeanett Biedermann herhalten.

Aber nehmen wir mal Dr. House. Vorweg: Ich liebe diese Serie wirklich, aber objektiv betrachtet ist das genauso ausgemachter Blödsinn wie deutsche Arztserien. Es wird mit medizinischen Fachausdrücken herum geworfen, die zum Teil einfach nur falsch verwendet werden. House zieht niemals den Rat eines Facharztes hinzu usw.
Das einzige was die Serie positiv macht ist das House eben ein ausgemachtes Arschloch ist, den man einfach lieben muss.

Fox ist übrigens dafür berühmt das sie sehr geniale Serien produzieren. Die Simpsons zum Beispiel.
Gleichzeitig haben sie aber auch einige, sehr gute Serien zerschoßen. Da wäre zum Beispiel Firefly zu nennen und das selbe machen sie anscheinend mit Dollhouse. (beides Serien vom Großmeister schlechthin, Joss Whedon)
Gleichzeitig hat es Pro7 früher durchaus mal geschafft sich ein paar gute Serien zu sichern. Buffy, Scrubs (was jetzt ja auch zu unmöglichen Zeiten kommt) die Simpsons um nur einige zu nennen.
Und mir fällt persönlich gleich mal eine Serie an die durchaus an die Qualtität der amerikanischen Serien ran kommt, Stromberg.

Weiter zu deinen genannten Serien: Ich denke das ist auch Geschmackssache. Ich persönlich fand Lost langweilig und Rome war einfach nur eine Frechheit. Vielleicht lag das nur an der beschissenen, deutschen Synchro aber wenn ein alter Römer dauernd sagt: Beschissener Fuck usw, dann kann ich das nicht guten Gewissens hinnehmen.
Band of Brothers läuft ja quasi ununterbrochen auf RTL2, wenn auch meist zu ungünstigen Sendezeiten.
Andererseits gibt es auch Kabel1 die oft Serien bringen, die in den USA nach ein paar Folgen wieder aus dem Programm flogen.
Was ich allerdings nicht verstehe ist, das es hier nur amerikanische Serien (und hin und wieder mal ne britische auf Comedy Central) ins Programm schaffen. Don Matteo läuft in Italien zum Beispiel sehr erfolgreich, aber in Deutschland wird man davon nie was sehen.
Und einige der Shows hier in Deutschland sind wirklich gut. Zum Beispiel alles was Raab macht. Ich meine, man muss erstmal darauf kommen mit nem Wok ne Eisbahn herunter zu fahren usw.

Zu Musikantenstadel muss ich sagen: Ich hasse Volksmusik, aber sie müssen auch diese Zielgruppe bedienen als ÖRF.
Gleichzeitig übertragen sie auch Bundestagsdebatten usw. Ich sage nicht das sie damit ihren Auftrag erfüllt haben, bei weitem nicht. Aber es ist nicht alles schlecht bei ihnen.
Hingegen schaffen sie es nicht ordentlich Dokumentationen zu bringen. Da rennt ein paar Mal im Jahr Guido Knopp über den Bildschirm und bringt Berichte über Hitlers Helfer, Hitlers Soldaten, Hitlers Reinemachfrauen usw. Irgendwann reichts auch mal, ich will im Fernsehen auch mal etwas anderes sehen als immer nur etwas über das 3. Reich.
N24 und NTV, die sich Nachrichtensender nennen (ich weiß die sind privat) sind hingegen eine wirkliche Frechheit. Da wird 20 Stunden am Tag Militärtechnologie präsentiert und Armenn werden beweihräuchert so das sich mir der Magen umdreht. Wenn ich hören muss wie toll ein neuer Panzer ist, dann kann ich das nicht hinnehmen.

Und nun nochmal zum Literaturpapst. Er sagt selbst das er nur noch Arte und hin und wieder 3Sat guckt. Das Problem ist allerdings das er dann ja gar nicht wissen kann wie die anderen Sender sind. Ich glaube er wollte einfach nur ein bissel Show machen. Klappt ja, er ist in aller Munde.
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15.10.2008 - 18:13

alarich hat geschrieben:Ich glaube kaum das Till Schweiger oder Jürgen Prochnow eine stetige Rolle im deutschen Fernsehen übernehmen würden. Und auch sonst ist das Budget viel niedriger.
Dann müssen sie ihne eben Geld in den Hals werfen und die Budgets allgemein erhöhen bzw. bereit stellen. Wenn sie das allein nicht schaffen müssen sie sich halt im Zweifelsfall halt Sat1/Pro7 und RTl für ein Pilotprojekt zusammen tun. Wird natürlich nie passieren, ist mir klar, aber ich würden den Versuch eine ernsthafte deutsche Serie zu produzieren sehr begrüßen.

Übrigens hat Schweiger einen Film mit Udo Böll gedreht, was ihn als Schauspieler und vernunftbegabte Lebensform komplett abqualifiziert.
Aber nehmen wir mal Dr. House. Vorweg: Ich liebe diese Serie wirklich, aber objektiv betrachtet ist das genauso ausgemachter Blödsinn wie deutsche Arztserien. Es wird mit medizinischen Fachausdrücken herum geworfen, die zum Teil einfach nur falsch verwendet werden. House zieht niemals den Rat eines Facharztes hinzu usw.
Das einzige was die Serie positiv macht ist das House eben ein ausgemachtes Arschloch ist, den man einfach lieben muss.
Das stimmt im Prinzip so. Was man aber hervorheben muß, ist gerade der Umstand, daß die Produzenten bereit waren, einen Arzt zu zeichnen, der eben nicht dem Serienklischee des jungen, dynamischen Womanizer entspricht, der das niedliche siebenjährige Mädchen in einer äußerst gefährlichen OP vor dem Tod rettet. House ist das Gegenteil: Er ist ein Junkie, ein Zyniker, zumindest vordergründig ein Misanthrop, er läßt Patienten sterben bzw. hilft ihnen sogar dabei usw.
Kurzum eine deutlich nicht glatte, mit Fehlern behaftete und differenzierte Figur. Die ist zwar immernoch vollkommen überspitzt in eine Richtung gezeichnet, aber doch interessant. Das macht die Soap-Passagen erträglich.
Im Grunde kommt es darauf aber nicht an, sondern einfach auf den Umstand, daß die Produktion DAZU BEREIT WAR, ein Arschloch zu schaffen. Jemand der nicht everybodies darling ist. Sowas würde in Deutschland nicht passieren, jedenfalls nicht in dem Extrem.

Übrigens ist die einzig andere Arztserie die einen ähnlich differenzierten Blick auf die Medizin im Krankenhaus geworfen hat "Chicago Hope". Die stammte von David E. Kelley der unter anderem für "Picket Fences", "Ally McBeal" und seit neustem für "Boston Legal" verantwortlich ist.
Gleichzeitig haben sie aber auch einige, sehr gute Serien zerschoßen. Da wäre zum Beispiel Firefly zu nennen
Firefly war eine großartige Serie, die auf meiner Science Fiction Liste gleich hinter "Farscape" rangiert. Allerdings muß man ehrlich sein: Die Serie war ein Spartenprogramm, das auf einem der größten Networks der Staaten lief. Wie groß war die Chance, daß sie ungeachtet wie gut sie wirklich war, erfolgreich sein würde?
Wäre die Serie im SciFi Channel gelaufen bzw. nach der ersten Staffel an selbigen verkauft worden, bin ich mir einigermaßen sicher daß sie das Potential für viele weitere Staffeln gehabt hätte.
Aber ganz ehrlich...was Firefly angeht, habe ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Vielleicht kommt ja irgendwann nochmal ein Feature alá "Serenity" oder vielleicht wird die Serie nochmal neu aufgelegt...wäre wirklich sehr schade drum...
Und mir fällt persönlich gleich mal eine Serie an die durchaus an die Qualtität der amerikanischen Serien ran kommt, Stromberg.
Stromberg habe ich mit Absicht nicht genannt, weil es nach dem Vorbild von "The Office" geschaffen wurde. Das ist eine sehr beliebte Serie gewesen, die - oh Wunder - aus dem Hause der BBC stammt.
Weiter zu deinen genannten Serien: Ich denke das ist auch Geschmackssache.
Dem würde ich zustimmen. Worauf es mir aber ankam, war auch hier die Bereitschaft halt mal 80 Mio. Dollar für einen Pilotfilm auszugeben und danach eine - rein vom fernsehtechnischen Standpunkt aus - hochwertige Serie mit "Lost" zu produzieren.
Ich selbst fand die erste Staffel von Lost ausgezeichnet, danach wurde mir aber die Geschwindigkeit mit der die Geschichte erzählt wird und die Story an sich zu abstrus, sodaß ich es nicht weiter verfolgt habe.
Daß auch Rome eine Geschmackssache war, will ich nicht bestreiten. Aber auch hier möchte ich wieder einige Punkte hervorheben: Bisher wurde das alte Rom hauptsächlich in Sandalenfilmen gezeigt. Die waren meistens relativ platt oder erzählten einen christlichen Hintergrund. Das ist für sich genommen in Ordnung nur lassen sich 1000 Jahre Römisches Reich nicht auf Jesus Kreuzigung und Ben Hur reduzieren. Auch der Plebs, also die Unterschicht tauchte bestenfalls als Futter für die Arena auf.
Jetzt wissen wir aber, daß in Rom intregiert wurde, die Moral zeitweise äußerst offenherzig war, permanent Machtkämpfe im Senat herrschten, es grundsätzliche Spannungen zwischen Aristokratie und Plebejern gab und die Römische Republik und später das Kaiserreich ziemlich machivellistisch funktioniert haben. Oder jedenfalls ist das eine Interpretationsmöglichkeit, die die historischen Zeugnisse offen halten und die ich persönlich für relativ realistisch halte.
Der Film "Gladiator" hatte zwar bereits versucht ein lebendiges Rom zu erschaffen, war aber letztendlich schon allein vom Thema und der Laufzeit her deutlich beschränkt.
Rome hingegen zeichnete eine umfassendes, lebendiges Bild vieler Aspekte des Lebens in der römischen Republik bzw. im frühen Kaiserreich.
Dazu gehört meiens Erachtens auch zu sagen, daß die Römer gerne mal in den Puff gegangen sind, abstruse Religiöse Rituale hatten, ihre Frauen verprügelten, Sklavenhalter waren und die beliebteste Form der öffentlichen Unterhaltung nunmal darin bestand zuzuschauen wie sich andere Leute gegenseitig die Gliedmaßen abschnitten. Dazu zähle ich auch die Gossensprache. Wenn unsere Alltagssprache von Fäkalausdrücken durchsetzt ist, die wir schon kaum noch wahrnehmen, warum sollte das in Rom anders gewesen sein, und warum sollte man es dann nicht zeigen?
Worum es mir im Wesentlichen geht, ist auch hier wieder der Mut, daß HBO sich an einen relativ unbeachteten aber außergewöhnlichen Stoff gewagt hat, und den fesselnd umsetzen konnte.
Wobei HBO aber eine Geschichte an hochwertig produzierten Serien hat ("Sex and the City", "Band of Brothers" (Co-Poduktion mit der BBC (mal wieder)), "From Earth to the Moon", "The Sopranos" usw.)

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alarich
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15.10.2008 - 23:14

Dann müssen sie ihne eben Geld in den Hals werfen und die Budgets allgemein erhöhen bzw. bereit stellen. Wenn sie das allein nicht schaffen müssen sie sich halt im Zweifelsfall halt Sat1/Pro7 und RTl für ein Pilotprojekt zusammen tun. Wird natürlich nie passieren, ist mir klar, aber ich würden den Versuch eine ernsthafte deutsche Serie zu produzieren sehr begrüßen.
Ja, aber hier ist wieder das Problem: Sehr hohe Kosten und der der Gewinn würde wahrscheinlich nicht mal die Produktionskosten einspielen. Ich habe mal gehört das eine ganze Folge Frauentausch ungefähr soviel kostet wie 5 Minuten Dr. House zum Beispiel.
BBC arbeitet meist mit amerikanischen Sendern zusammen und da leben nunmal mehr Menschen als hier, weshalb man auch mehr Geld mit der Werbugn verdienen kann.

Das Till Schweiger sowieso kein guter Schauspieler ist, steht außer Frage. Aber das war Schwarzenegger auch nicht. Er ist halt nur erfolgreich.
Das stimmt im Prinzip so. Was man aber hervorheben muß, ist gerade der Umstand, daß die Produzenten bereit waren, einen Arzt zu zeichnen, der eben nicht dem Serienklischee des jungen, dynamischen Womanizer entspricht, der das niedliche siebenjährige Mädchen in einer äußerst gefährlichen OP vor dem Tod rettet. House ist das Gegenteil: Er ist ein Junkie, ein Zyniker, zumindest vordergründig ein Misanthrop, er läßt Patienten sterben bzw. hilft ihnen sogar dabei usw.
Kurzum eine deutlich nicht glatte, mit Fehlern behaftete und differenzierte Figur. Die ist zwar immernoch vollkommen überspitzt in eine Richtung gezeichnet, aber doch interessant. Das macht die Soap-Passagen erträglich.
Im Grunde kommt es darauf aber nicht an, sondern einfach auf den Umstand, daß die Produktion DAZU BEREIT WAR, ein Arschloch zu schaffen. Jemand der nicht everybodies darling ist. Sowas würde in Deutschland nicht passieren, jedenfalls nicht in dem Extrem.
Objektiv betrachtet ist House keine Arztserie, sondern eher eine Krimi-Serie quasi ein Auswuchs von CSI, Bones usw. Der Unterschied ist hier nur, das er eben die Opfer noch leben.
Außerdem ist er nur die non-comedy Version von Dr. Cox aus Scrubs. In den USA werden viel mehr Serien produziert, weshalb es natürlich auch hin und wieder ein Experiment gibt.
Firefly war eine großartige Serie, die auf meiner Science Fiction Liste gleich hinter "Farscape" rangiert. Allerdings muß man ehrlich sein: Die Serie war ein Spartenprogramm, das auf einem der größten Networks der Staaten lief. Wie groß war die Chance, daß sie ungeachtet wie gut sie wirklich war, erfolgreich sein würde?
Wäre die Serie im SciFi Channel gelaufen bzw. nach der ersten Staffel an selbigen verkauft worden, bin ich mir einigermaßen sicher daß sie das Potential für viele weitere Staffeln gehabt hätte.
Aber ganz ehrlich...was Firefly angeht, habe ich die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Vielleicht kommt ja irgendwann nochmal ein Feature alá "Serenity" oder vielleicht wird die Serie nochmal neu aufgelegt...wäre wirklich sehr schade drum...
Firefly hätte durchaus erfolgreich laufen können, auch bei Fox. Die Hintergründe sind recht interessant (da ich ein großer Joss Whedon Anhänger bin, weiß ich es zufällig genau)
Fox hatte damals mit Buffy einen absoluten Erfolg gelandet. Deshalb hat Fox gesagt: "Okay, produziere uns noch ne Serie und wir nehmen sie ins Programm"
Doch dann merkten sie was er vor hatte. Er wollte eine Sci-Fi Serie produzieren, aber Sci-Fi war gerade nicht angesagt in den USA, unter anderem weil Enterprise gerade aus dem Programm genommen wurde. Deshalb zog Fox die Notbremse. Es sorgte dafür das die Serie schlechte Quoten bekommt, damit man sie zeitnah wieder absetzten würde bevor Whedon noch mehr Folgen abdreht und so noch mehr Kosten verursacht. Entsprechend war die Ausstrahlungspolitik. Man startete zum Beispiel nicht mit der Pilotfolge "Serenity" sondern mit der zweiten Folge "the train job". Außerdem wurde die erste Folge genau zeitgleich mit dem Super-Bowl ausgestrahlt der jedesmal über 50% Marktanteil erreicht.
Das ist dreimal schlimmer als würde man hier versuchen gegen Wetten das... anzutreten. Die Folge waren schlechte Quoten usw und nach 11 ausgestrahlten Folgen wurde es wieder abgesetzt. (13 waren damals produziert wurden)
Danach kam allerdings so ein großer Druck von den Fans, das man noch den Kinofilm "Serenity" drehte, wo im schnelldurchlauf das gezeigt wurde was eigentlich auf 5 Staffeln angelegt war.

PS. Weiter gedreht wird wohl nicht mehr, da Joss jetzt Dollhouse macht und die Schauspieler auch anders beschäftigt sind (Summer Glau macht die Sarah Connor Chronikels usw.)
Allerdings gibt es Sequels. Die Serie wird in Comics weiter erzählt, von Joss produziert. Solltest du dir mal ansehen, wenn man sich dran gewöhnt hat ist es nicht sooo schlecht.
Stromberg habe ich mit Absicht nicht genannt, weil es nach dem Vorbild von "The Office" geschaffen wurde. Das ist eine sehr beliebte Serie gewesen, die - oh Wunder - aus dem Hause der BBC stammt.
Ja, aber im Prinzip wird doch alles abgekupfert. Ich habe auch "the Office" gesehen, finde aber Stromberg besser.
: ה' רעי לא אחסר

ואם לא עכשו אימתי



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