Heiligt der Zweck die Mittel?

Politische Themen und Diskussionen


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alarich
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Heiligt der Zweck die Mittel?

30.07.2009 - 23:08

Mal ein allgemeiner Thread. Ich dachte hier kann man über kontroversen diskuttieren wo mit zweifelfhaften Methoden etwas vermeintlich gutes erreicht werden soll. Ich fange mal mit dem ersten Thema an:

Jugendliche Alkoholtestkäufer:

Inzwischen ist es ja so, das Jugendliche vom Staat eingesetzt werden um als Testkäufer Alkohol zu kaufen und damit Kioskbesitzer und Kassierer zu überführen die Alkohol an Jugendliche verkaufen.
Klingt auf den ersten Blick nach ner guten Sache um das Koma-Saufen einzuschränken. Doch ist es das wirklich?

Meiner Meinung nach nein: Zunächst einmal liegt das Problem woanders. Ich habe als Jugendlicher von zarten 14 Jahren auch harten Alkohol an einer Tanke kaufen können und das ist schon ne Weile her. Auch wir haben damals gesoffen, wohl aber nicht so intensiv. Liegt das Problem nicht eher daran das man heutzutage von Alkoholwerbung zugeschüttet wird? Während die Politik gegen die böse Tabakindustrie vorging und ihnen Kino und Fernsehwerbung verbot und auch bei Plakatwerbung scharfe Regeln aufstellte, wurde der Alkohol immer links liegen gelassen.
Da tanzt und Günther Jauch herum und wirbt für das saufen für den Regenwald, Baccardi sorgt dafür das du gut aussiehst und die schönsten Frauen bekommt und Wodka Gorbatschow ist eiskalt und glasklar.
Klar das dies eine gewisse Wirkung hat. Oder liegt das Problem woanders? Ich kann mich ehrlich gesagt kaum noch erinnern ob es in meiner Jugend auch solche Werbung gab.

Aber mal ganz davon abgesehen ist dies meiner Meinung auch die falsche Erziehung für ein Kind wenn es als Deunziant vom Staat erzogen wird. Die Botschaft ist doch wohl klar: Hau deine Mitmenschen übers Ohr und schwärz sie an und du bist gut. Sie verleiten jemanden zu einer Straftat und werden dafür noch belohnt.
Viele Menschen unterstützen ja diese Testkäufe, regen sich aber gleichzeitig darüber auf wenn es an der Kasse länger dauert (was durch die Alterskontrolle nötig wird) oder wenn sie selbst nach den Ausweis gefragt werden, obwohl sie über 18 sind.
Das bringt die Verkäufer in ein Dilemma. Einerseits sollen sie immer möglichst schnell arbeiten, aber quasi bei jedem der Alkohol kauft nach dem Ausweis fragen da sie sich ja nicht auf ihr Augenmaß verlassen dürfen.
Natürlich bin ich absolut dafür das Verkäufer die Alkohol an Jugendliche verkaufen beim ersten Mal abgemahnt werden und beim zweiten Mal Strafe zahlen müssen oder ihre Lizenz verlieren. Aber sie quasi direkt ins offene Messer zu locken halte ich für link und auch für die Testkäufer das falsche Signal.
Also kann ich hier bei dem ersten Thema für mich schon einmal sagen: Hier heiligt der Zweck nicht die MIttel.
Zustimmung? Andere Meinungen?
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Dhe
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31.07.2009 - 00:54

Ich hab ne tendenziell andere Meinung: Stichwort Komasaufen.

Man liest das ja ab und zu, bzw. hat es ab und an gelesen: Jugendlicher nach Alkoholexzess im Krankenhaus/Koma/Sarg. Und Schuld hat der böse Mensch der ihm das Zeug verkauft hat.

An der Stelle divergiert meine Meinung dann meistens. Und zwar ziemlich radikal: Schuld hat der dämlich Idiot, der nicht in der Lage war aufzuhören das Zeug in sich reinzukippen. Und außerdem ein bißchen Schuld war das soziale Umfeld einschließlich Elternhaus, daß nicht in der Lage dem Jugendlichen einen gescheiten (sofern sowas exisitert) Umgang mit Alkohol beizubringen. Der Typ, der ihm das Zeug verkauft hat, kommt erst an dritter Stelle, als Erfüllungsgehilfe quasi.

Zu glauben - auch aus Sicht der jeweils konkreten Eltern - daß z.B. ein 14-Jähriger nicht mündig oder intelligent genug ist um in der Lage zu sein, um zu begreifen, was passiert, wenn er drei Flaschen Wodka an einem Abend trinkt, zeugt von Naivität und einem rosaroten Weltbild. Jugendliche sind keine Kinder, und wenn sie Komasaufen wollen...bitteschön.

Mehr Gedanken würde ich mir dann allerdings darum machen, warum sie das wollen, sprich warum das Interesse an Alkohol, bei manchen Jugendlichen so enorm ist, bzw. welches Bild die Gesellschaft mit allen ihren Teilen vom Alkohol vermittelt, daß der attraktiv wirkt. Denn bei Lichte betrachtet - und das sage ich als jemand, dessen jährlicher Alkoholkonsum sich auf drei Gläser Hennessy an Weihnachten beläuft - macht besoffen sein und vor allem der Morgen danach, nicht wirklich viel Spaß, sodaß die Vermutung nahe liegt, daß es sich letztlich um Nachahmungsverhalten handelt.

Sobald ich erstmal die Macht übernommen habe, wird Alkohol grundsätzlich für jeden legal zu erwerben sein. Und zwar mit einem obligatorischen Steuersatz von 400€/L und 15 Jahren Gefängnis für Schwarzbrenner oder Schmuggel.

Und dann soll sich mal einer beschweren, ich täte nichts für den Jugendschutz...

Harald
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31.07.2009 - 21:50

*betet das du nie an die Macht kommst* ;)

Na ich glaub das Thema Komasaufen wird auch etwas übertrieben, wird eben aufgebauscht, auch wie ich jung war, gabs Typen die haben bei ner Klassenfeier in einer Nacht ne Kiste Bier allein gesoffen nur hat damals keinen interessiert, heutzutage wär das in jeder Zeitung im deutschsprachigem Raum....Obwohl im letzten Jahr war ja das Killerspiel spielen schon fast wichtiger...

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Ralucard
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01.08.2009 - 00:25

Killerspiele... Hachja, der Grund, warum unsere Jugend mittlerweile alle paar Monate Amok läuft... :roll:
Zum Thema Komasaufen sag ich nur, dass ich auch ohne Alkohol bisher mit meinem Problem auskam, echt das bringt nichts, Leute!
So... was war eigentlich das Thema...? :shock:

Harald
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01.08.2009 - 09:14

Klar kommst auch ohne aus, aber es eben auch normal, das man sich als Jugendlicher mal "zusäuft", danach sind die meisten auch klüger, das war vor 50 Jahren so und ist auch heute so..

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PAWFanatics
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02.08.2009 - 01:38

Hm...

Zu Killerspielen. Würde man durch deren Verbot die Amoklaufrate senken wollen, so müsste man auch Actionfilme, Nachrichten und brutale Comichefte verbieten.

Zum Komasaufen. Da muss ich sagen, dass ich rein gar nicht tolarent sein kann. Zum einen muss ich sagen, dass ich alle die im Koma liegen würde verrecken lassen. Da lernt hoffentlich die Jugend etwas, die es überleben und mitbekommen. Unsere Eltern haben mit Drogen schon so ihre Erfahrungen gemacht und eigentlich sollte die neue Generation darauf aufbauen und nicht die selben Fehler/Erfahrungen unbedingt nochmal machen müssen. Aber leider gibt es solch dummen Jugendliche, die es nicht einsehen wollen... wer dazu was hören will, soll sich melden (besoffener Jugendlicher wird aus eigenverschulden totgefahren und seine Kollegen drohen dem unschuldigen Fahrer dafür mit dem Tod).

Man sollte mit den Konsequenzen des Handelns zählen können, und nicht andere Dinge verurteilen, wie z.B.: Spiele oder Kioskverkäufer...
Nein!

Harald
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02.08.2009 - 12:36

Na zum erwachsen werden gehörts nu mal dazu das man Fehler macht und seine Grenzen austestet. Wenn sich da ein 15 Jähriger mal die Kante gibt, ok.. Aus solchen Sachen lernt man. Und deswegen verrecken lassen? Wenn du mim Auto an nem nassen Herbsttag weg rutscht und eingeklemmt wirst, soll man dich auch verrecken lassen? War ja immerhin dein Fehler, das du das nasse Laub ned gesehn hast.. ;)

Denk du weist schon was ich meine, klar solls ned zum Regelfall werden, aber das hin und wieder mal einer beim Probieren zu viel erwischt passiert eben mal.

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alarich
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02.08.2009 - 16:17

@dhe
Ich weiß ja das du der Meinung bist das jeder für sich selbst verantwortlich ist. Aber Jugendliche stehen nicht so fest im Leben wie Erwachsene. Ein jeder Mensch hat mehr oder weniger seine Statussymbole. Wenn du jetzt meinetwegen 30 bist, hast du meinetwegen dein Haus, dein Auto, deine Frau mit dem du angeben kannst. Das braucht jeder Mensch, selbst wenn er es nicht zugibt.
Aber mit 16 hast du schlechterdings noch nicht so etwas. Da kannst du dich in deinem sozialem Umfeld nur abheben indem du derjenige bist der am meisten Wodka in sich hinein schüttet. Das war aber auch schon früher so, vielleicht mal abgesehen von der Zeit wo derjenige der größte Stecher war der die meisten, russischen Panzer geknackt hat.
Natürlich kommen Jugendliche immer irgendwie an Alkohol ran. Aber trotzdem muss man es ihnen ja nicht zu leicht machen. Der Verkäufer ist also auf jeden Fall mit Schuld, da er durch eine einfache Frage den Streß vermeiden kann. Gerade bei Verkäufern in Supermärkten habe ich kein Verständniss dafür, da die ja nicht weniger verdienen wenn sie den Jugendlichen nicht die Flasche Korn verkaufen.

ere Eltern haben mit Drogen schon so ihre Erfahrungen gemacht und eigentlich sollte die neue Generation darauf aufbauen und nicht die selben Fehler/Erfahrungen unbedingt nochmal machen müssen. Aber leider gibt es solch dummen Jugendliche, die es nicht einsehen wollen... wer dazu was hören will, soll sich melden
Und du hast wohl immer auf deinen Eltern gehört? Jugendliche müssen ihre eigenen Erfahrungen machen.
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02.08.2009 - 18:03

Natürlich habe ich meine Erfahrungen gemacht. Aber habe NIE Drogen genommen. War auch noch nie besoffen, und bin nicht der einzige den ich kenne. Hab da noch fünf Kollegen, die es auch nicht reizt zu saufen, oder zu rauchen/kiffen. Waren alle noch nie high, haben auch kein interesse daran. Seltsamerweise machen/haben wir alle die Matura. Dazu noch unabhängig von einander... nicht das wir uns dazu anstacheln unbedingt clean zu bleiben.

Ich kann nicht sagen, das dieser Weg falsch ist... oder mal dicht zu sein nötig.
Nein!

Harald
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Hast vollkommen recht, ist sicher nix falsches daran, ich warm mit 15 maö zuhause alleine so richtig betrunken,weil ich dumm war und es einfach mal wissen wollte wie das ist, danach auch 10 Jahre lang fast nichts mehr getrunken, geraucht sowieso noch nie, und Drogen auch nix. So ein Einzelfall bist du also nicht, aber wenn sich jeder 100ste mal voll laufen lässt und es bei jedem 5000ten gefährlich wird, ist das eher eine Medienaufbausche, wo das ganze so dargestellt wird, also würd sich jedes Kind "komasaufen".

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Leider ist es ja so, wie es in den Medien teilweise berichtet wird. Auf jeden Fall in meiner Stadt am Flussbord...
Nein!

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twix12
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03.08.2009 - 15:02

Man kann ja mal ganz fies sein und sagen: für ne Flasche Vodka auf Ex muss man halt schon trainieren. Wenn ich an den Bengel denke, der sich damals in berlin mit knapp 40 Tequila die Rüstung etwas zu stark zugeknistert hat, muss ich zugeben: ich kenne da Leute, die können das besser.

:prost:

Und das kommt nicht von ungefähr. Um jetzt mal ernster zu sein: wenn man den Jugendlichen zeigen würde, wie man richtig mit Alkohol umgeht, und wie man Rauschzeichen richtig deutet (wenn ich anfange Kaninchen zu sehen ist's normalerweise genug). Und dass eine Flasche Vodka in kurzer Zeit auf nüchternen Magen für eine untrainierte Rotznase ne schlechte Idee ist.
"Viel quälender wird für dich später die Frage sein: Hättest du die Vase auch zerbrochen, wenn ich nichts gesagt hätte?"

oOnoirOo
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03.08.2009 - 18:39

also ich bin 15, und muss zugeben das ich auch so meine erfahrungen mit alkohol habe... :wink:
ich habe es aber noch nie richtig übertrieben,so dass ich kotzend am boden lag und mich am morgen dannach an nichts mehr erinnern konnte.
ich bin mir nähmlich schon im klaren wo meine grenzen sind und bei meinen freunden ist es im großen und ganzen nicht anders.natürlich gibt es einige jugendliche die es übertreiben,aber ich denke vor 20 oder 30 jahren hätten es diese personen nicht anders gemacht.
When you're taught to love everyone, to love your enemies, then what value does that place on love?

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twix12
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04.08.2009 - 11:44

oOnoirOo hat geschrieben:natürlich gibt es einige jugendliche die es übertreiben,aber ich denke vor 20 oder 30 jahren hätten es diese personen nicht anders gemacht.
Ganz genau!

Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass ich aus einem kleinen Dorf komme, und da der Umgang von Jugendlichen mit Alkohol sehr viel lockerer gesehen wird. Und das beruht vor allem auf dem gedanken, dass das Kind ruhig mal auf die heiße Herdplatte fassen soll. Wir hatten alle unsere Abstürze, aber niemand hat sich bei uns in den letzten Jahrzehnten totgesoffen, nicht zuletzt dadurch, dass sicher 90% aller Bewohner schon mindestens ein mal neben ihrem letzten Essen aufgewacht sind. Ein ordentlicher Kater gepaart mit einem Filmriss und vielen peinlichen Erzählungen ("Du bist gestern rumgelaufen und hast JEDEN umarmt und gesagt, dass du ihn liebst!") wirkt doch sehr abschreckend.
Wie dem auch sei, letztendlich liegt die Hauptverantwortung doch bei den Eltern. Wenn die über Alkohol nicht ordentlich aufklären, ist es nur normal, dass sich manche vollkommen ahnungslos über die nächstbeste Flasche hermachen und nicht mal wissen, was alles passieren kann.
"Viel quälender wird für dich später die Frage sein: Hättest du die Vase auch zerbrochen, wenn ich nichts gesagt hätte?"

Harald
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06.08.2009 - 08:18

Ja eben, so seh ichs auch, früher war der Umgang damit lockerer, heute wird eben jeder Fall in den Medien breit getreten, das ist alles.


ich habe es aber noch nie richtig übertrieben,so dass ich kotzend am boden lag und mich am morgen dannach an nichts mehr erinnern konnte.

@oOnoirOo: brav ;)



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