Inzest - die fröhlichste Debatte des Boards

Politische Themen und Diskussionen


Benutzeravatar
Dhe
Verschwörungsfreak
Verschwörungsfreak
Beiträge: 1437
Registriert: 16.11.2005 - 17:57

Inzest - die fröhlichste Debatte des Boards

13.03.2008 - 18:46

Das Bundesverfassungsgericht hat heute sein Urteil im Falle Patrick S. aus Leipzig bekannt gegeben. Dieser zeugte mit seiner leiblichen Schwester vier Kinder und wanderte dafür bereits mehrfach ins Gefängnis bis er letztlich Verfassungsbeschwerde einlegte.

In der Urteilsbegründung berief sich das Gericht u.a. auf "familien- und sozialschädlichen Wirkungen" der Geschwisterliebe.

Meine Meinung ist, daß den Karlsruher Richtern hierbei ein ganz großer Griff ins Klo gelungen ist. Ich persönlich habe zwar kein Interesse daran mit irgendeinem meiner Familienmitglieder in die Kiste zu steigen, glaube aber trotdem, daß das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung höher wiegen muß, als irgendeine schwammige Moralvorstellung, die rechtlich - jedenfalls was die soziale Komponente angeht - nicht mal genau definiert wird.

So interessieren sich die Gerichte beispielsweise nicht dafür, wenn ein Stiefvater was mit seiner (volljährigen) Tochter hat, obwohl das auch familienschädigend sein müßte. Auch ist es ihnen egal, ob Geschwister z.b. einvernehmlichen Anal- oder Oralverkehr haben.

Die eigentliche Marschrichtung ist also klar: Insbesondere heikel ist das Urteil, weil das Gericht eugenisch argumentiert. Ohne Zweifel ist es richtig, daß Inzest häufig behinderte Kinder produziert und wenn man ehrlich/zynisch ist, liegt es natürlich auch im Interesse einer Gesellschaft bzw. der Krankenkassen dieser Gesellschaft, daß möglichst wenig behinderte Kinder geboren werden. Nur: Wenn man anfängt auf diesem Weg zu argumentieren, dann müßte man letztlich allen Leuten (vaginalen) Geschlechtsverkehr verbieten, bei denen ein erhöhtes Risiko für die Übertragung von Erbkrankheiten besteht. Das hieße, daß Leute, die das Gen für beispielsweise Huntington, Mukoviszidose oder Sichellzellabämie tragen sich nicht mehr fortpflanzen dürften.
Ähnliches würde für viele andere vererbare Krankheiten oder auch für HIV-Positive gelten. Nur schwule Brüder können sich freuen, da es ja ohnehin eher unwahrscheinlich ist, daß dabei Kinder entstehen.

Um das nochmal deutlich zu sagen: Was zwischen Erwachsen einvernehmlich im sexuellen Bereich stattfindet, halte ich auch dann wenn es widerlich ist, letztlich für weniger schädlich als solche Urteile.
Das gilt insbesondere dann, wenn es in der Verfassung abgesehen von dem sehr schwammigen Familienbegriff, nichts gibt, daß ansonsten dagegen spräche.

Interessant in dem Zusammenhang übrigens auch das Interview mit einem der Nebenkläger.

Benutzeravatar
Cihan
Komitee der 300
Komitee der 300
Beiträge: 379
Registriert: 18.02.2007 - 01:53
Wohnort: Ars** der Welt

29.07.2008 - 00:27

Naja, irgendwann muss der Staat auch eingreifen, sonst verkommt die Gesellschaft womöglich.

Allerdings ist dieses heikle Thema, für viele Teenager und Kinder, die hier mitlesen etwas deftig. Das würde in einem anderen Forum wohl besser reinpassen.

Benutzeravatar
Araex
Rat der 33
Rat der 33
Beiträge: 687
Registriert: 14.06.2006 - 16:37

Re: Inzest - die fröhlichste Debatte des Boards

29.07.2008 - 07:47

Dhe hat geschrieben:glaube aber trotdem, daß das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung höher wiegen muß, als irgendeine schwammige Moralvorstellung,
Von mir aus, ja. Ich hab kein Problem damit was Menschen zuhause in ihren 4 Wänden machen - das ist mir wirklich piepegal. Aber in diesem Fall kommt eben folgendes hinzu:
Dhe hat geschrieben: Ohne Zweifel ist es richtig, daß Inzest häufig behinderte Kinder produziert und wenn man ehrlich/zynisch ist, liegt es natürlich auch im Interesse einer Gesellschaft bzw. der Krankenkassen dieser Gesellschaft, daß möglichst wenig behinderte Kinder geboren werden. Nur: Wenn man anfängt auf diesem Weg zu argumentieren, dann müßte man letztlich allen Leuten (vaginalen) Geschlechtsverkehr verbieten, bei denen ein erhöhtes Risiko für die Übertragung von Erbkrankheiten besteht.
Das seh ich anders. Geschwistern verbietet man nicht generell den Geschlechtsverkehr sondern die Zeugung von Nachwuchs. Es ist ziemlich fahrlässig sowas zu erlauben. Dir ist sicherlich klar, was passieren würde wenn plötzlich aller Nachwuchs auf diese Weise entsteht? Wir würden wahrscheinlich keine 10 Generationen mehr überleben weil die Evolution einfach stillsteht. Stand der Forschung ist ja, dass bei Inzest die Kinder nicht unbedingt deswegen eine Behinderung haben, die Chance dass der Nachwuchs eine Behinderung hat ist nicht so hoch wie immer behauptet wurde. Also eigentlich ist es gar nicht soooo schlimm.

Aber auf der Gegenseite wissen wir ganz genau, dass aus gleich und gleich sicher nichts "besseres" entsteht. Die Kinder werden keine Immunitäten gegen Viren, Krankheiten etc. aufweisen welche die Eltern nicht bereits hatten. Die Kinder werden auch in ihren Fähigkeiten den Eltern nacheifern - dies betrifft vorallem die angeborene Intelligenz wie auch sonstige Talente und Fähigkeiten. Das schöne an der Evolution ist doch, dass 2 Menschen mit unterschiedlichem Genpool ein Kinder zeugen können welches Talente aufweisen kann welche keiner der Elternteile hatten ebenso wie es vorkommt, dass aus zwei Durchschnittsbürgern ein Genie entsteht. Durch die Mischung der Gene werden vorallem die positiven Gene übernommen und aus dem Mix des Rest entsteht Neues. All das wird mit Inzest unterbunden. Im Endeffekt ist das doch eine Sackgasse.

Im Sinne der Kinder und der Gesellschaft find ich es deshalb absolut angebracht, dass die Zeugung von Nachwuchs im eigenen Familienkreis verboten ist. Wer mit den Geschwistern vögeln will soll dies tun, aber ohne Kinder.



Zurück zu „Politik Forum“