Ohne Hitler keine Demokratie?

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alarich
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Ohne Hitler keine Demokratie?

16.07.2009 - 23:24

Folgende These: Hitler hat dafür gesorgt das wir seid gut 60 Jahren unsere Demokratie in der BRD haben.



Sicherlich werden jetzt einige zu Recht die Nase rümpfen ob dieser provizierenden These. Doch ich hoffe meine Argumente überzeugen euch.
Deshalb werfen wir erst einmal einen Blick in die Mentalität Geschichte der Deutschen. Seit dem ersten Staat der sich mehr oder weniger als Deutsch bezeichnen konnte gab es immer eine Sache. Jemand der uns sagte was wir zu tun haben.
Und damit sind wir glücklick, ja wir Deutschen lieben Regeln, Uniformen und Befehle. Ich weiß, die meisten werden jetzt schreien das sie ja die große Ausnahme sind, das sie Rebellen sind usw. Aber dem ist nicht so, denn im tiefsten Inneren wurde es uns schon anerzogen. Wir beachten rote Ampeln, haben Respekt vor der Polizei usw. Und richtig feucht im Schritt werden wir ja sowieso erst wenn wir für etwas, was wir vom Gesetz her brauchen, Zeit und Geld opfern müssen. Zum Beispiel um unseren Ausweis zu holen den wir besitzen müssen (denn ein Verstoß dagegen ist eine, oh Graus, Ordnungswidrigkeit). Also dürfen wir uns von der Arbeit frei nehmen (den Ämter haben ja so tolle Öffnungszeiten) und Gebühren dafür zahlen, damit wir uns an das Gesetz halten können.
Und selbst die, welche keinen Ausweis besitzen: Nehmen wir mal an wir werden von einem Polizisten erwischt. Was machen wir? Wir zahlen brav unsere Strafe und beantragen einen. Niemand von uns käme auf die Idee dagegen vielleicht zu klagen. Nein, wir tun was man uns sagt.
Ein Gegenbeispiel dagegen ist die USA. Oft lachen wir darüber wenn wir dort seltsame Gesetze lesen, die wirklich Kleinigkeiten regelmentieren von Sachen die wir nicht machen würden, weil man es einfach nicht macht. Aber dabei vergessen wir eins. Für die Amerikaner ist alles, was nicht ausdrücklich verboten ist erlaubt. Für Deutsche ist alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, verboten!
Und wie hieß dieses Sprichwort: "Deutsche Revolutionäre stürmen einen Bahnsteig, kaufen sich aber vorher eine Bahnsteigkarte."
Wir halten also fest: Wir befolgen die Regeln, haben im Prinzip keinen Sinn für Liberalität. Aber genau das braucht eine Demokratie eigentlich.
Nun, was hat das alles nun mit Hitler zu tun?
Gehen wir in die Zeit vor Hitler, die Weimarer Republik. Die ist ja nicht unbedingt entstanden weil das deutsche Volk gesagt hat, das wir jetzt eine Demokratie wollen. Nein, sie wurde uns aufgezwungen. Zwar gab es in Deutschland schon vorher ein Parlament usw. aber faktisch war der Kaiser ja immer noch allmächtig.
1918 stand Deutschland jedenfalls mal wieder direkt am Abgrund. Der 1. Weltkrieg war verloren und die Machthaber mussten kapitulieren. Was viele nicht wissen ist, das eine der Kapitulationsbedingungen war, das Deutschland eine parlamentarische Demokratie wird.
Zwar gab es auch den Matrosenaufstand und die Novemberrevolution, aber das sind mehr Randnotizen. Gerade erster war mehr Selbsterhaltungstrieb (was für Deutsche schon wunderlich genug ist. Befolgen wir Befehle doch eigentlich bis in den Tod).
Die ganze Demokratiesache wurde erst möglich als das OHL sich mit der SPD arrangierte um damit einerseits den Sozialismus zu verhindern aber auch um den Einmarsch der Alliierten zu unterbinden und somit die bedingte Kapitulation zu erreichen.
Auch hier war es wieder Druck von Außen und nun sagte man den Deutschen: Ihr seid jetzt Demokraten! Und die Deutschen befolgten den Befehl und wurden Demokraten. Doch dann kam der Schnurrbart, der wieder die Vorlieben der Deutschen ausnutzte. Er sagte ihnen was sie zu tun hatten.
Und wer kein Fan des Schnurrbartes war, der hing halt dem ebenfalls totalitärem System des Kommunismus an. Der Rest wählte halt weiter SPD usw., aber nur die wenigsten wohl mit Begeisterung. Man hatte ihnen gesagt sie sollen SPD wählen.
Außerdem war der Reichspräsident ja faktisch auch absolutistischer Herrscher, konnte er doch durch Notstandsverordnungen tun und lassen was er wollte. 1933 war das Experiment dann beendet und gut 12 Jahre lang folgte Deutschland wieder einem einzelnen Mann der ihnen sagte was sie zu tun und zu denken haben. Sie folgten ihm so sehr das es innerdeutsch kaum nenneswerten Widerstand gegen den Nationalsozialmus gab, selbst als der Krieg verloren war. Sie jubelten ihm zu als er ihnen sagte das ihre Nachbarn und vielleicht auch Freunde zu einer minderwertigen Spezies gehörten und er offen zur Gewalt gegen ihnen ausrief. Er sagte ihnen eben was sie zu tun hatten.
(Und sogar das berühmte Attentat von Stauffenberg und Co. hat meiner Meinung nach weniger mit dem Gewissen zu tun gehabt, als dessen das die Offiziere einfach nur, genau wie 1918, eine totale Niederlage verhindern wollten. Aber das ist ein anderes Thema)
Nun war der Zauber im Jahre 1945 aus. Hatte man dem Volk vorher gesagt: Ihr müsst Nazis sein, sagte man ihnen das sie nun keine mehr sein sollten. Und keiner war mehr ein Nazi. Man sagte dem Volk es sei nun demokratisch. Erneut wurde die Demokratie von außen gebracht, doch dieses Mal achteten die USA und Co. darauf das wir es auch richtig machen weil wir alleine nicht fähig waren wie die Weimarer Republik zeigte. Ein Übergangspapier wurde entwickelt, das uns genau sagte wie wir uns als Demokraten zu verhalten haben. Es nannte sich das Grundgesetz, das eigentlich nur so lange in Kraft bleiben sollte bis wir selber gelernt haben aufs Töpfchen zu gehen. Haben wir aber nie, weshalb es auch heute noch in Kraft ist. Und so wurde die BRD gegründet. Die Jahre vergingen und eine neue Generation wuchs heran. Eine Generation der man in der Schule nun nicht mehr beibrachte das Hitler toll ist, sondern das er ein böser Mensch war und wie froh doch alle über die Demokratie sein können. Und genau hier ist der Knackpunkt der ganzen Geschichte.
Man sagt uns das wir keinen neuen Hitler zulassen dürfen und die Demokratie um jeden Fall beschützen. Die Amerikaner befahlen uns ja quasi, dass wir jetzt demokratisch sind und zur Wahl gehen sollen. Und sie blieben lange genug um auch zu gucken ob wir das ordentlich machen. Und so ist es bis heute. Jeder der die Demokratie abschaffen und eine andere Staatsform einführen will, verstößt gegen das Gesetz und wird als neuer Hitler angesehen. Wir haben aber den Befehl keinen Hitler mehr zuzulassen, weshalb wir weiter wählen gehen. Die wenigsten von uns setzten sich wirklich mit dem Wahlprogramm der Partei auseinander die sie da auf dem Wahlzettel ankreuzen. Die meisten kennen vielleicht ein paar Punkte oder Forderungen oder sie wählen sie, weil Mama und Papa gesagt haben sie sollen sie wählen.
Deutsche haben niemals selber ernsthaft für eine wirkliche Demokratie gekämpft. Wer jetzt als Gegenbeispiel die DDR anbringen will, denn kann ich schon jetzt ausbremsen. Gut 80% der Aufständischen und Demonstranten ging es nicht darum das wir gerne zwischen SPD und CDU wählen wollen. Wir wollten nur auch an die Fleischtöpfe. Im Sommer nach Malle fliegen, Bananen essen und einen dicken Mercedes fahren. DAS war unser Kampf damals. Die Demokratie haben wir eben so mitgenommen. Sie war als Zusatz im Paket drin, aber nicht der Grund für die Rebellionen der DDR-Bürger.
Fassen wir das alles mal zusammen:
1. Deutschland hat sich niemals selber für die Demokratie entschieden. Sie wurde uns zweimal aufgezwungen. Wir haben es immer bevorzugt wenn ein starker Mann an der Spitze das denken für uns übernimmt.
2. Den Deutschen fehlt schon alleine die Mentalität um für ihre Rechte wirklich zu kämpfen und gegen Regeln zu Felde zu ziehen. Doch das braucht eine Volksherrschaft, Menschen die mitbestimmen wollen und die nicht jedes Gesetz und jede Verordnung einfach so hin nehmen und befolgen.
3. Die deutsche Demokratie rühmt sich zwar der Meinungsfreiheit, allerdings wird alles was gegen diese Demokratie ist verboten. Man siehe schon alleine die Verbotsanträge für die NPD. Menschen welche die Demokratie also laut anzweifeln verstoßen also gegen das Gesetz.
4. Hätte anstatt Hitler ein gemäßigter Diktator die Macht übernommen, welcher vielleicht kein Krieg gegen die ganze Welt geführt hätte würden wir vielleicht heute noch vom selbigen regiert werden. Es hätte uns ja niemand gesagt das wir jetzt demokratisch sein sollen . Man kann also durchaus sagen, das eine kausale Beziehung zwischen Existenz der heutigen Demokratie und Hitler besteht.



Vieles in diesem Text klingt jetzt vielleicht so als würde ich gegen unsere Demokratie wettern wollen. Aber dem ist nicht so. Ich halte Demokratie für die beste Staatsform die sich bis jetzt jemand erdacht hat. Und auch wenn ich gegen ein Verbot der NPD und auch den Strafbestand der Volksverhetzung als sehr kritisch ansehe, so hat das nichts damit zu tun das ich irgendwelche Sympathien für sie hege. Um es mit den Worten von Voltaire zu sagen: " Ihre Meinung ist mir zwar widerlich, aber ich werde mich dafür totschlagen lassen, daß sie sie sagen dürfen" Aber das ist eine andere Diskussion
Die meisten User hier, die mich ein bisschen kennen werden das ohnehin wissen. Ich sage es nur zur Sicherheit das mir nicht ein schäumender Neuling vorwirft ich würde mir einen neuen Diktator wünschen.

Vielleicht ist jetzt einiges komisch formuliert, aber es ist ja auch schon spät. Ich hoffe ihr versteht trotzdem was ich sagen will.
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Dhe
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17.07.2009 - 00:21

In Deutschland mussten sich die Gerichte mit der Frage befassen, ob es gerechtfertig ist, wenn ein Autofahrer fuer einen Dackel, der vor ihm auf die Strasse rennt bremst...

Sagt alles ueber deutsche Mentalitaet.

In den USA haben sie in einigen Kommunen Verordnungen, die reglementieren ob man seine Suppe laut schluerfen darf oder nicht...oder zumindest lautet so der urbane Mythos. Das finden wir lustig.

Dafuer findet man im Rest der zivilisierten Welt lustig, dass es in Deutschland gesetzlich reglementiert ist, ob man seine Katze im Garten fuettern darf oder nicht. Oder ob man sein Auto am Sonntag waschen darf oder nicht.

Und wirkliches Unverstaendnis erntet man fuer den von uns als die natuerlichste Sache der Welt angesehenen Umstand: Die Ausweisspflicht.

Kurzum: In Deutschland gibt es zwar eine liberale Tradition in der Theorie (immerhin waren einige Vordenker der Aufklaerung Deutsche), aber keine liberale Praxis. Fuer wirkliche Liberalitaet fehlt in der Bevoelkerung wirklich das Verstaendnis.

Da die aber in der Tat eine Vorraussetzung fuer Demokratie im Sinne von Volksherrschaft ist, gehe ich noch einen Schritt weiter: In Deutschland herrscht keine Demokratie, in Deutschland besteht die Moeglichkeit alle vier Jahre eine Regierung gewaltfrei abzuloesen. Und genau das reicht den Deutschen auch.

Ich sage es immer wieder: Wenn die Umstaende in Deutschland und meinethalben England die gleichen waeren, wuerden sich trotzdem die Deutschen bevorzugt hinter einer Diktatur zusammenrotten.

Nicht weil sie wirklich dem Kadavergehorsam anhaengen - soweit geht ihr Verstaendnis gar nicht. Sondern weil sie zum freien und selbstverantwortlichen Denken und Handeln gar nicht in der Lage sind.

Deshalb brauchen wir auch unsere Reglementierung. In Deutschland sind auf Bundesebene aus Gesetzen und Verordnungen rund 87.000 Einzelverordnungen in Kraft. In Frankreich (und ich habe absichtlich nicht Grossbritannien oder die USA genommen) sind es etwa 20.000.

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schefmar
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17.07.2009 - 12:44

ich zweifle an die, mentalität der deutschen, verallgemeinern zu können. da sind die deutschen, je nach volksgruppe zugehörig, grund verschieden.
als gebürtiger rheinländer z.b. vertrete ich in baden würrtemberg eine andere mentalität , als wie die heimischen.
Tadle stets nur solche Sachen, die du auch kannst besser machen!Alle Die, die mich kennen, wünsche Ich, was sie mir gönnen
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alarich
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18.07.2009 - 12:58

Okay, vielleicht war das mit der Mentalität ein bisschen übertrieben. Aber dhe hat es ja auf den Punkt gebracht wofür ich so viele Wörter gebraucht habe. Wir sind in Deutschland nicht in der Lage und wollen auch gar nicht selber Verantwortung übernehmen, zumindest in so großem Sinne. Wir befolgen lieber das was man uns sagt.
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schefmar
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18.07.2009 - 14:47

alarich hat geschrieben:Okay, vielleicht war das mit der Mentalität ein bisschen übertrieben. Aber dhe hat es ja auf den Punkt gebracht wofür ich so viele Wörter gebraucht habe. Wir sind in Deutschland nicht in der Lage und wollen auch gar nicht selber Verantwortung übernehmen, zumindest in so großem Sinne. Wir befolgen lieber das was man uns sagt.
Ich würde es aber eher auf das Unterbewusstsein der Menschheit führen und nicht nur als deutsches Phänomen sehen.Bewusst wird kaum ein Mensch von sich behaupten-"ein Herdentier zu sein!"
Dennoch sind es nur "Asoziale", die den Anstoss zur Veränderung geben.Bei vielen ist es nur die Bequemlichkeit oder die Angst vor den negativen Konsequenzen, nicht anders, als wie die Anderen zu sein, ohne zu bemerken das man sich wie Herdentier verhält. Das Verhalten der Masse kann ja nur legitim sein und mag es noch so unvernünftig sein....
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