Organspende und Zustimmung

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Dhe
Verschwörungsfreak
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Organspende und Zustimmung

01.09.2008 - 21:43

Mal wieder ein bißchen Provokation in Stichpunktform:

1. Weltweit und somit auch in Deutschland besteht ein eklatanter Mangel an Spenderorganen.

2. Tote brauchen ihre Organe nicht mehr.

3. In Deutschland wird die sogenannte "erweiterte Zustimmungslösung" praktiziert. D.h. ein potentieller Spender muß vor seinem Ableben die Zustimmung zu einer Organentnahme (günstigstenfalls schriftlich) gegeben haben, oder aber seine hinterbliebenen Angehörigen müssen zustimmen, bevor Organe wirklich transplantiert werden können. Das ist aufgrund des unter 2. postulierten Umstands unsinnig.

4. Insbesondere ist das insofern realitätsfern, als daß in Umfragen eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung ihre prinzipielle Bereitschaft zur Organspende bekundet, aber nur 12% tatsächlich über einen Spenderausweis verfügen.

5. Andere Länder praktizieren sinnvollere Methoden. So ist z.B. in Polen oder Österreich die sogn. "Widerspruchslösung" in Kraft. D.h. jeder kommt prinzipiell erstmal als Organspender in Frage, solange er nicht vor seinem Tod ausdrücklich widersprochen hat. Auch hier gibt es erweiterte Lösungen z.B. in Frankreich oder Italien wo auch die Angehörigen noch widersprechen können.

6. Würde die Zahl der legal zur Verfügung stehenden Organe steigen, würde analog dazu der illegale Organhandel zumindest tendenziell zurückgehen.

Diskutiert!

Harald
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01.09.2008 - 23:44

Hmm, da kann ich nicht viel diskutieren.

Bin Ösi und finde "unser" System total ok.

Man siehts ja auch wenn man die Wartezeiten vergleicht..

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alarich
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14.09.2008 - 13:56

Hm, das ist ein kompliziertes Feld. Zunächst einmal sollte aber noch etwas erwähnt werden. Die meisten Organe kommen ehe in den Müll, weil sie nicht ganz perfekt sind. Zum Beispiel der Lungenflügel eines Rauchers kann noch ganz passabel funktionieren, aber er wird eben nicht verwendet. Da seh ich schon das Problem. Sehen wir es mal realistisch. Ein Mann von 80 Jahren braucht keinen intakten Lungenflügel mehr, wenn er einen neuen bekommen soll. Seine Restlebenserwartung liegt zwischen 2 und 10 Jahren. Also wieso kann man ihm dann keinen Lungenflügel einsetzten der noch ca. 15 Jahre Dienst tun würde.

Zu der Widerspruchserklärung kann ich nur folgendes sagen: Das ist nicht so einfach. Ich selber bin Organspender, aber ich kenne auch Leute die aus religiösen Gründen eben so etwas nicht wollen. Und auch ihre Wünsche muss man respektieren. Ich maße mich nicht an hier über die Überzeugungen anderer Leute zu urteilen. Vielleicht ist es ja wirklich so das Gott mal sagt: "Keine Organe? Kein Zutritt hier oben!" (obwohl ich das bezweilfe). Aber das ist die Minderheit. Lass sie ihre Organe behalten. Das wahre Problem liegt woanders.

Es besteht bei vielen Leuten heutzutage noch die Annahme das Ärzte dazu neigen Organspender schneller sterben zu lassen, weil sie ja das Material brauchen. Dagegen würde auch eine stille Zustimmung nichts machen können, sondern man sollte die Leute mal anständig über Organspenden aufklären.
: ה' רעי לא אחסר

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Dhe
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14.09.2008 - 16:15

alarich hat geschrieben: Ich selber bin Organspender, aber ich kenne auch Leute die aus religiösen Gründen eben so etwas nicht wollen. Und auch ihre Wünsche muss man respektieren.
Sicher, aber die hätten ja die Möglichkeit, vor ihrem Tod einer Organentnahme zu widersprechen. Also genau umgekehrt davon, wie es jetzt gehandhabt wird, was ich sinnvoller fände.



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