Optimismus kontra Realität

Naturkatastrophen und Überbevölkerung sowie Umweltverschmutzung. Wo liegt die größte Gefahr für die Menschheit? Wie können die Gefahren verhindert werden? Diskutiert werden Katastrophen wie Vulkanausbruch, Überschwemmungen und Erdbeben sowie Tsunamis. Außerdem Umweltkatastrophen wie Waldsterben, Luftverschmutzung und Treibhauseffekt.


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Optimismus kontra Realität

08.12.2005 - 16:04

Im September 2000 haben sich die Mitgliedsstaaten der Vereinigten Nationen einstimmig verpflichtet,bis zum Jahr 2015 unter anderem folgende Ziele zu erreichen:

*Die Zahl der Hungernen und der Menschen,die von weniger als etwa einem Euro pro Tag leben,um die Hälfte senken

*Allen Kindern eine vollständige Grundschulausbildung gewährleisten

*Die Ungleichbehandlung der Geschlechter auf allen Ausbildungstufen beseitigen

*Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel senken

*Die Müttersterblichkeit um 75 % reduzieren

*Die Ausbreitung von HIV/Aids und anderen schweren Krankheiten wie Malaria stoppen und diese zum Rückzug zwingen

*Den Anteil derjenigen,die über keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser verfügen,um die Hälfte senken


Können diese Ziele erreicht werden? Im Jahr 2004 haben Gesundheitsexperten aus aller Welt die Situation neu bewertet.
Ihr Fazit:
Aller Optimismus müsse durch die Erkenntnis gedämft werden,dass Teilerfolge nicht die weltweite Realität wiederspiegeln.Im Vorwort der Publikation Zur Lage der Welt 2005 heißt es:
"In vielen Regionen untergräbt die Armut weiterhin den Fortschritt. Krankheiten wie AIDS sind auf dem Vormarsch und schaffen in vielen Ländern Zeitbomben für die öffentliche Gesundheit. In den vergangenen fünf Jahren sind etwa 20 Millionen Kinder an Krankheiten durch unsauberes Wasser gestorben,und Hunderte von Millionen Menschen leben weiterhin in dem täglichen Elend der Verwahrlosung,die mit dem Mangel an sauberen Trinkwasser und hinreichender Kanalisation verbunden sind"
:!: :!: :!:
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08.12.2005 - 17:33

Sicher, diese Ziele zu erreichen in der Zeit ist utopisch, aber es ist dennoch besser wenn die VN sich in solchen Sachen überfordert, als das sie sich unterfordert.

Ich denke das größte Problem bei der ganzen Sache ist, das man den Westen einfach nicht für die restlichen Probleme der Welt sensibilisiert. Als die Stürme in den USA waren, gab es gleich Leute die geholfen haben, als die Tsunamies die Touristenregionen zerstört haben, kam Hilfe, aber wenn in nem Land wie Iran eines der schlimmsten Erdbeben der Weltgeschichte die Infrastruktur zerstört interessiert das scheinbar niemanden so recht.

Die Menschen sind durch die Medien relativ abgestumpft und fühlen sich nur verantwortlich wenn sie sich selbst als betroffenen sehen. Bestes Beispiel hierfür ist das man immer die Anzahl der Deutschen Opfer hervorgehoben bekommt, obwohl das überhaupt nichts zur Sache tut aus welchem Land irgendwer kommt, wenn er hilfe braucht.(Auch sieht man es im Fall der ersten Deutschen die im Irak verschlebt wurde, das jetzt auf einmal so ein Medienwirbel um etwas gemacht wird, was zuvor vielen anderen Menschen wiederfahren ist, aber da kaum jemanden interessiert hat)

Was denkt ihr kann man gegen diese Gleichgültigkeit andern Völkern/Staaten/Gruppen gegenüber machen?

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Ich denke, man kann gegen dieses "Fenomen" nichts unternehmen, ausser alle Länder zu einenem Superland ( :D ) zusammenzuschliessen, dann würde alles alle angehen :lol:

Die Menschen generell sind sowiso angebohrene Egoisten ... :? 8)
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10.12.2005 - 13:21

Ich finde es ist falsch, als einzelner Mensch die Verantwortung für die gesamte Menschheit - speziell den Teil, der in Armut lebt - zu übernehmen. Menschen suchen eben gerne für alles Elend einen Schuldigen, das ist auch genau das Phänomen, auf dem Terrororganisationen wie Al Quaida aufbauen. Aber in der Realität ist eigentlich niemand direkt schuld an der vielen Armut auf der Welt außer die Geschichte selbst. Klar ist es richtig und wichtig, dass man den Ländern der dritten Welt hilft, aber das darf auch keinen Fall als Pflicht angesehen werden. Wenn man von einer Katasptrophe direkter betroffen ist, ist es auch klar, dass man eher zur Hilfe bereit ist. Ich würde sagen, als Privatperson sollte man sich eher um die Probleme in seinem Umfeld kümmern, denn da kann man alleine schon etwas erreichen, während die Hilfe für die dritte Welt eher von den Vereinten Nationen übernommen werden sollte. Hätte ich zB 1000 überschüssige Euro, würde ich sie eher spenden, um die örtliche Musikschule am Leben zu erhalten, als sie in die dritte Welt zu schicken. So ist das Leben.

Selbst Jesus sagte: Liebe deinen NÄCHSTEN...

Die Medien superlativieren in dieser Hinsicht natürlich wieder maßlos, aber das sind wir ja gewohnt.
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13.12.2005 - 17:57

Hmmmm,teils gebe ich dir recht aber einiges sehe ich n bissel anders....
@Ford Prefect

Das niemand schuld ist wie es in den armen Lädern ist,ist richtig aber es wäre doch mal schön zu sehen wenn gerade diese Länder mal richtige Hilfe bekommen würden.Die Politiker und andere Idioten stecken sich die Taschen mit Geld so voll das sie nicht mal wissen was sie damit wirklich anfangen sollen ausser sich teure Sachen zu kaufen....
Schauen wir uns z.B mal Bill Gates an,der Mann hat so viel Asche das er es seinen Lebtag niemals ausgeben könnte aber er könnte z.B in Afrika (oder in einem anderen armen Land) richtig was aufbauen,Arbeitsplätze schaffen,dann würden die Menschen arbeiten und Geld verdienen können damit sie sich mal was richtiges zum Essen kaufen können,damit nicht so viele sterben müssen.

Als damals der Tsunami in Thailand gewesen ist, sind Politiker dort hingefahren und es wurde soooo viel Geld gespendet.Warum kann man das nicht auch für die dritte Welt tun???


Die sache mit den 1000€,die Du angesprochen hast,das Du lieber (oder eher) spenden würdest damit die Musikschule in deiner Stadt am leben bleibt.Ist das nicht bissel ungerecht???
Du könntest doch 500€ der Schule und 500€ an die dritte Welt spenden,oder!? :wink:

Ich denke machmal,stell Dir mal vor wenn Du und deine Familie oder ich mit meiner Familie in der dritten Welt leben würden,würden wir uns nicht auch sehr freuen wenn uns jemand hilft am leben zu bleiben :wink: !?

Und zu Jesus, mit "Liebe deinen Nächsten" meinte er ncht das wir nur unsere Nachbarn,unsere Familie oder die Leute in unserer Nähe lieben sollen , denk mal drüber nach :wink:
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Dhe
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13.12.2005 - 21:54

Ford Prefect hat geschrieben:Ich finde es ist falsch, als einzelner Mensch die Verantwortung für die gesamte Menschheit - speziell den Teil, der in Armut lebt - zu übernehmen. Menschen suchen eben gerne für alles Elend einen Schuldigen, das ist auch genau das Phänomen, auf dem Terrororganisationen wie Al Quaida aufbauen.
Darum geht es offensichtlich auch gar nicht. Es geht um einen Beschluß der Vereinten Nationen, und nicht darum, daß du, ich oder Susi Schneckenschiss das Elend aus der Welt schaffen soll.
Al Quaida in diesem Zusammenhang en passant in eine Diskusion einzubringen, die sich mit der Frage des Elends der dritten Welt beschäftigt und wie z.B. die UN dagegen aktiv werden könnte, halte ich persönlich in der Form für aussagelos und insofern für verfehlt.

Aber in der Realität ist eigentlich niemand direkt schuld an der vielen Armut auf der Welt außer die Geschichte selbst.
Wenngleich es wohl richtig ist, daß insofern niemand direkt schuld daran hat, daß täglich 16000 Kinder verhungern, als das jemand hinginge und ihnen das Essen vom Löffel stehlen würde, kann man sich schon einigermaßen sicher sein, daß wir als Bewohner der westlichen Industriestaaten, als Nutznießer und weitestgehend stille Dulder einer auf die Wahrung des status quo forcierten Finanz und Billiglohnpolitik durch IWF usw, ganz gewaltigen Anteil an der tatsächlichen Ausgestaltung des Elends der dritten Welt haben. Auch das Argument die Geschichte betreffend greift nicht, denn die Geschichte ist keine abstrakte Person, deren Ergebnisse man als gottgegeben hinnehmen muß. Geschichte ist hauptsächlich dazu da um zu versuchen, aus ihr zu lernen und gegebenfalls die Fehler, die ihre Akteuere gemacht haben, zu korrigieren.
Ganz nebenbei bemerkt...die Probleme der dritten Welt, sind zwar zu einem bestimmten Teil sicherlich auch selbstverschuldet, aber zum wesentlich größeren Teil auf die Koloniesierung bzw. das Ende der Kolonisierung durch den Westen zurückzuführen. Insofern kann/muß man den Westen auch aus der historischen Perspektive in die Verantwortung nehmen.
Klar ist es richtig und wichtig, dass man den Ländern der dritten Welt hilft, aber das darf auch keinen Fall als Pflicht angesehen werden.
Wenn ich es als Pflicht ansehen muß überschüssiges Geld in meiner Umgebung oder beim Herschen von persönlicher Nähe zu spenden, bzw. das eher machen sollte, dann verstehe ich nicht mit welchem Argument du untermauern willst, daß das bei persönlicher Distanz nicht notwendig ist. Oder um es mal überspitzt auszudrücken: Beim Tsunami in Thailand sind auch Deutsche ertrunken. Deshalb bin ich unter Umständen direkt oder nahe davon betroffen.
In Pakistan werden in diesem Winter möglicherweise mehr Menschen sterben als beim Tsunami, weil nach dem Erdbeben kaum Notunterkünfte für den (arschkalten) Winter bereitstehen. Darunter werden kaum Deutsche sein, insofern bin ich weniger nahe betroffen.
Also muß ich für Pakistan nichts oder weniger spenden, weil Pakistan nicht den Vorzug hat über tropische Badestrände zu verfügen.

Ich sehe kein vernünftiges Argument, das dafür spräche, was die Vermutung nahelegt, daß ein solches nicht existiert.
Im Gegenteil, man muß ein vitales Interesse daran haben, die Kaufkraft in der dritten Welt zu erhöhen(und hier steht der Westen wieder in der Verantwortung), was letztlich nur über Ausbildungen möglich ist, um der Übersättigung der westlichen Binnenmärkte entgegen zu wirken.
Hätte ich zB 1000 überschüssige Euro, würde ich sie eher spenden, um die örtliche Musikschule am Leben zu erhalten, als sie in die dritte Welt zu schicken. So ist das Leben.
Stimmt, so ist das Leben: Ungerecht, hart und saudämlich. Glücklicherweise aber nicht in den Augen aller Menschen.

Ich persönlich mag Bach, Vivaldi, Sweelinck uvm., spiele Klavier und noch ein paar andere Sachen, aber wenn ich vor die Wahl gestellt werden 500€ für eine Musikschule oder für ein Winterzelt in Pakistan zu spenden (um das Beispiel weiter zu benutzen) und damit möglicherweise zu helfen, sieben Menschen vor dem Erfrieren zu bewahren...tja dann, muß ich ehrlich sagen, hätte ich nichtmal was dagegen sämtliche Notenblätter der Welt in den Bereich der persönlichen Körperhygiene zu verlegen.

Aber das muß gar nichtmal so dramatisch gemacht werden, sagen wir das Geld wird benutzt um jemanden einen Schulabschluß zu ermöglichen oder um eine Wasserpumpe zu bauen...das Ergebnis bleibt das Gleiche: Eine Musikalische Ausbildung ist sicherlich eine wunderbare Sache und es ist gut und wichtig, daß Menschen Zugang dazu haben, aber verglichen mit existenziellen Fragen des Überlebens von Menschen nichtmal sekundär und vollig uninteressant. Das ganze klingt in meinen Ohren sehr nach Elfenbeinturm, und insofern ist es lächerlich hier mit einer Musikschule zu kommen.

Damit komme ich ans Ende und stelle als bekennender Agnostiker noch ein paar andere lustige Sachen vor, die Jesus so auf seiner Tour durch Israel losgelassen hat, nur um zu zeigen, das der Gute das von dir angeführte Beispiel und die implizierte Suggestion unter Garantie von sich gewiesen hätte.

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. (Matthäus 5,7)

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13.12.2005 - 22:03

@Dhe

Wow,super Komentar...Du sprichst mir aus der Seele :wink:
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14.12.2005 - 01:54

HardCora@WArmUp hat geschrieben:Die sache mit den 1000€,die Du angesprochen hast,das Du lieber (oder eher) spenden würdest damit die Musikschule in deiner Stadt am leben bleibt.Ist das nicht bissel ungerecht???
Ja natürlich ist das ungerecht. Würde ich mein Leben mit dem Grundsatz leben, jeden Einzelnen gerecht zu behandeln, hätte ich ja selber überhaupt nichts mehr davon, das kann ja wohl auch nicht der Sinn des Lebens sein.
Du könntest doch 500€ der Schule und 500€ an die dritte Welt spenden,oder!?
Im Prinzip schon, aber das war ja nur ein Beispiel. Stell dir mal vor, was passieren würde, wenn die Hälfte allen Geldes, das innerhalb von Deutschland gespendet wird, statt dessen in die dritte Welt gespendet werden würde. Wieviele Bürgerinitiativen, Umweltschutzvereine etc. gründen sich auf solche Spenden? Der Verlust wäre enorm und meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Was nützt es uns, der dritten Welt auf die Beine zu helfen, wenn wir die Welt dafür zerstören müssen?
Dhe hat geschrieben:Auch das Argument die Geschichte betreffend greift nicht, denn die Geschichte ist keine abstrakte Person, deren Ergebnisse man als gottgegeben hinnehmen muß. Geschichte ist hauptsächlich dazu da um zu versuchen, aus ihr zu lernen und gegebenfalls die Fehler, die ihre Akteuere gemacht haben, zu korrigieren.
Geschichte ist vielleicht nicht gottgegeben, aber dennoch muss man sie hinnehmen, denn keiner hat die Macht, sie zu verändern. Was man machen kann ist die Fehler der GEGENWART zu korrigieren, um die ZUKUNFT zu verändern. Die VERGANGENHEIT ist, wie schon der Name sagt, vergangen und sollte bei Entscheidungen zur Änderung der Gegenwart eigentlich keine große Rolle mehr spielen. Dass eine Atombombe grausam ist, wissen wir auch ohne den geschichtlichen Hintergrund zu kennen. Der Mensch besitzt die Gabe der Abstraktion, was ihn dazu befähigt, die Erfahrungen früherer Generationen aus deren Gegenwart - der jetzigen Vergangenheit - ohne Kenntnis der Geschichte zu übernehmen und zu bewahren. Eine historische Verantwortung gibt es nicht, sonst müsste ich ja zu jedem Franzosen hingehn und mich dafür entschuldigen, was so'n Arsch namens Hitler vor 60 Jahren alles angestellt hat.
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Jaja, ich weiß: Ich komm schon wieder etwas vom Thema ab. Also weiter im Text:
Wenn ich es als Pflicht ansehen muß überschüssiges Geld in meiner Umgebung oder beim Herschen von persönlicher Nähe zu spenden, bzw. das eher machen sollte, dann verstehe ich nicht mit welchem Argument du untermauern willst, daß das bei persönlicher Distanz nicht notwendig ist.
Grundsätzlich ist man niemandem verpflichtet außer sich selbst. (Wenn ich jetzt böse wäre, würde ich anmerken, dass diejenigen, die das nicht wahrhaben wollen, sich einem Gott verpflichten. Das tue ich aber nicht.) Alles, ja ALLES was man für Andere tut, tut man auf freiwilliger Basis, und deshalb hat es auch einen sehr hohen Stellenwert. Eine Hilfe dabei ist das eigene Gewissen. Es ist nur natürlich dass ich den Menschen, die ich kenne und schätze, eher helfen werde als wildfremden Leuten aus Pakistan. Deshalb ist es aber nicht meine Pflicht. Egoistisch? Vielleicht. Ungerecht? Wahrscheinlich. Wäre die Welt gerecht, könnte es keine Menschen geben, die versuchen, sie gerechter zu machen. Die gibt es aber immer und deshalb wird die Welt auch immer ungerecht bleiben. Ja, ich gebe zu, das klingt etwas seltsam, aber denkt mal darüber nach: Ist es nicht die Ungerechtigkeit selbst, die die Welt prägt, die uns dazu ermutigt, auf ihr zu leben - als "guter Mensch" zu leben?
Darunter werden kaum Deutsche sein, insofern bin ich weniger nahe betroffen.
Fühst du dich als Deutscher? Ich nicht. Wieso sollte ich mich Menschen, die zufällig im gleichen Land geboren sind wie ich, näher fühlen als Menschen, die zufällig in einem anderen Land geboren sind? Ich für meinen Teil fühle mich nicht näher betroffen, nur weil zur Abwechslung mal ein paar Deutsche ums Leben gekommen sind.
Ich persönlich mag Bach, Vivaldi, Sweelinck uvm., spiele Klavier und noch ein paar andere Sachen, aber wenn ich vor die Wahl gestellt werden 500€ für eine Musikschule oder für ein Winterzelt in Pakistan zu spenden (um das Beispiel weiter zu benutzen) und damit möglicherweise zu helfen, sieben Menschen vor dem Erfrieren zu bewahren...tja dann, muß ich ehrlich sagen, hätte ich nichtmal was dagegen sämtliche Notenblätter der Welt in den Bereich der persönlichen Körperhygiene zu verlegen.
Echt? Du würdest Jahrhunderte europäisches Kulturerbe auf einen Schlag vernichten? Soll man eine Kultur opfern, um eine andere am Leben zu erhalten - wer weiß für wie lang? Wofür sollen wir eigentlich noch leben, wenn alles, was wir in unserem Leben hervorbringen, der dritten Welt geopfert werden muss?
Das ganze klingt in meinen Ohren sehr nach Elfenbeinturm, und insofern ist es lächerlich hier mit einer Musikschule zu kommen.
Ist es nicht. Wie schon gesagt: Es ist egal, wem man das Geld spendet, wichtig ist allein, dass man es für andere spendet. Man kann niemandem, der einen guten Zweck unterstützt, vorwerfen, dass er sein Geld besser für etwas anderes hätte spenden sollen.

Das ist halt meine Meinung und ich steh auch dazu. Es ist wirklich schade, dass es hierbei keinen "goldenen Mittelweg" zu geben scheint; wir schwanken zwischen zwei Extremen.
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14.12.2005 - 14:06

Ford Prefect hat geschrieben: Im Prinzip schon, aber das war ja nur ein Beispiel. Stell dir mal vor, was passieren würde, wenn die Hälfte allen Geldes, das innerhalb von Deutschland gespendet wird, statt dessen in die dritte Welt gespendet werden würde. Wieviele Bürgerinitiativen, Umweltschutzvereine etc. gründen sich auf solche Spenden? Der Verlust wäre enorm und meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Was nützt es uns, der dritten Welt auf die Beine zu helfen, wenn wir die Welt dafür zerstören müssen?
Wie gehabt: Der Westen muß ein Interesse an der wirtschaftlichen Stärkung der dritten Welt haben, weil er die Grenzen seiner eigenen Konsumkraft im wesentlichen erreicht hat.
Geschichte ist vielleicht nicht gottgegeben, aber dennoch muss man sie hinnehmen, denn keiner hat die Macht, sie zu verändern. Was man machen kann ist die Fehler der GEGENWART zu korrigieren, um die ZUKUNFT zu verändern. Die VERGANGENHEIT ist, wie schon der Name sagt, vergangen und sollte bei Entscheidungen zur Änderung der Gegenwart eigentlich keine große Rolle mehr spielen. Dass eine Atombombe grausam ist, wissen wir auch ohne den geschichtlichen Hintergrund zu kennen. Der Mensch besitzt die Gabe der Abstraktion, was ihn dazu befähigt, die Erfahrungen früherer Generationen aus deren Gegenwart - der jetzigen Vergangenheit - ohne Kenntnis der Geschichte zu übernehmen und zu bewahren. Eine historische Verantwortung gibt es nicht, sonst müsste ich ja zu jedem Franzosen hingehn und mich dafür entschuldigen, was so'n Arsch namens Hitler vor 60 Jahren alles angestellt hat.
Das ist eine Streitigkeit um Worte: In dem Moment in dem eine Handlung vollzogen wird, ist sie in der schmalsten Definition natürlich schon Vergangenheit.

Das eine Atombombe ein großes Loch macht, und insofern grausam ist, wissen wir nur bedingt a priori. Zwar ist es richtig, daß man von vorher bekannt Waffen auf eine Atombombe abstrahieren kann, aber dabei zeigt sich auch schon der Denkfehler. Abstraktion ist gerade nichts, daß aus dem luftleeren Raum entstehen kann, wie beispielsweise axiomatisch aufgebaute Denksysteme, die auch funktionieren würden wenn es in der Welt keine Dinge gäbe. Abstraktion braucht immer ein "Etwas" von dem es ausgehen kann. Auch hat unsere Abstraktion immer sehr deutliche Grenzen, denn eines ihrer Wesen ist eben, daß sie theoretisch ist.

Nehmen wir als Beispiel den ersten Weltkrieg: Ich bin der Meinung, das wesentlich weniger Menschen mit Hurra an die Front gezogen wären, wenn man gewußt hätte welche Unterschiede zwischen einem Krieg auf industrieller Basis und einem Krieg wie, mit Ausnahme des Sezessionskrieges, alle vorherigen waren, bestehen.
Da aber der erste Weltkrieg der im Prinzip erste industrielle Krieg war, hatte man schlicht keine Möglichkeit sich über die Grausamkeiten ein Bild zu machen und 11 Mio. Tote in vier Jahren, waren nur für die wenigsten überhaupt vorstellbar, weil die Grenze der Abstraktion eben erreicht war. Sie hatte keinen Input, sozusagen.

Am Anfang des zweiten Weltkrieges war die Reaktion wesentlich verhaltener, weil eben nun über sehr konkrete Erfahrungen verfügte, aus denen man abstrahieren konnte.

Ob du persönlich dich entschuldigen solltest sei dahingestellt, ich denke nicht. Aber du persönlich mußt dir bewußt sein, daß wir in Frankreich in den touristisch weniger erschlossenen Gebieten vielfach immernoch "le boche", in England "Fritzens" und den USA "Krauts" in den Niederlanden ein "Mof" (Mensch ohne Freude) und was weiß ich noch sind. Ich persönlich wurde in Marseille schon mit völlig ernst gemeintem Hitlergruß begrüßt und im Ägypten hat man mir erklärt, die Deutschen seinen das beste Volk in Europa, die nur einen Fehler in ihrer Geschichte gemacht hätten, nämlich nicht alle Juden auszurotten.

Das ist einerseits schade, zeigt aber auch wieviel unserer Vergangenheit noch im Bewußtsein der unserer Nachbarn schwimmt, und daß wir wenn wir im Ausland sind, gut beraten sind wenn wir nicht aus Eimern saufen und "Die Wacht am Rhein" singen. Womit ich, um das nachträglich sehr deutlich zu sagen, natürlich nicht so verstanden werden will, als das ich irgendwas unterstellen wollte.
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Fühst du dich als Deutscher? Ich nicht. Wieso sollte ich mich Menschen, die zufällig im gleichen Land geboren sind wie ich, näher fühlen als Menschen, die zufällig in einem anderen Land geboren sind? Ich für meinen Teil fühle mich nicht näher betroffen, nur weil zur Abwechslung mal ein paar Deutsche ums Leben gekommen sind.
Ob ich mich als Deutscher fühle ist ganz und gar uninteressant. Aber um die Frage zu beantworten: Mir ist es egal, daß ich ein Deutscher bin, zumal deshalb weil ich nicht weiß wie das gehen soll sich als Nationalität zu fühlen und was deutsch sein bedeutet, abgesehen davon daß man hier geboren ist (bzw. die Eltern) und daß es eine Tradition ist seine Nachbarn periodisch mit Panzern zu überfallen.

Worauf es aber ankommt, ist wie oben beschrieben, daß man eben als Deutscher gesehen wird und ganz unabhängig davon, daß man sich seine Nationalität nicht aussucht, ein Deutscher mit allem damit verbunden Ballast bleibt, egal ob einem das gefällt oder nicht, oder als was man sich selbst sieht. Vorrausgesetzt natürlich, daß das auch im Paß steht und man keine Schritte unternimmt seine Nationalität zu ändern.

Es ging aber in dem Beispiel auch nur darum persönliche Nähe durch Bekanntschaft auszudrücken (Freundeskreis, Familie usw.)
Insofern: Geschenkt!
Echt? Du würdest Jahrhunderte europäisches Kulturerbe auf einen Schlag vernichten? Soll man eine Kultur opfern, um eine andere am Leben zu erhalten - wer weiß für wie lang? Wofür sollen wir eigentlich noch leben, wenn alles, was wir in unserem Leben hervorbringen, der dritten Welt geopfert werden muss?
Es ging gar nicht darum die Kultur zu opfern, es ging nur darum auszudrücken, daß bestimmte Qualitäten im Vergleich zu anderen eben zweitrangig sind. Die Kunst ist eine davon, weil eine Kunst die nicht menschlich ist, IN DIESER HINSICHT wertlos ist.
Ist es nicht. Wie schon gesagt: Es ist egal, wem man das Geld spendet, wichtig ist allein, dass man es für andere spendet. Man kann niemandem, der einen guten Zweck unterstützt, vorwerfen, dass er sein Geld besser für etwas anderes hätte spenden sollen.
Zu spenden ist sicherlich wie du sagst löblich. Aber wie ich meine gibt es eben doch primäre und sekundäre Notwendigkeiten, und es tut mir leid, aber Musikschulen gehören in meinen Augen nach wie vor in die zweite Kategorie.
Zuletzt geändert von Dhe am 14.12.2005 - 21:59, insgesamt 2-mal geändert.

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14.12.2005 - 18:40

Ford Prefect hat geschrieben: Im Prinzip schon, aber das war ja nur ein Beispiel. Stell dir mal vor, was passieren würde, wenn die Hälfte allen Geldes, das innerhalb von Deutschland gespendet wird, statt dessen in die dritte Welt gespendet werden würde. Wieviele Bürgerinitiativen, Umweltschutzvereine etc. gründen sich auf solche Spenden? Der Verlust wäre enorm und meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Was nützt es uns, der dritten Welt auf die Beine zu helfen, wenn wir die Welt dafür zerstören müssen?

Ich finde diese Aussage ganz schön egoistisch. Ich verstehe nicht wasrum man eine Welt zerstören würde wenn man der dritten Welt helfen würde...

Haben die Menschen der dritten Welt nicht verdient oder auch das Recht darauf,sauberes Wasser,eine Schulausbildung,Geld für ihre tägliche Nahrung,Kleidung und ein anständiges Dach über dem Kopf zu haben????

Nur weil sie in der dritten Welt und nicht in Deutschland wohnen interessiert es kaum jemanden und es ist den meisten auch egal wieviele Kinder täglich sterben und das nicht nur vor hunger....
Ich finde das ganz schön traurig :cry:
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14.12.2005 - 22:59

Dhe hat geschrieben:Da aber der erste Weltkrieg der im Prinzip erste industrielle Krieg war, hatte man schlicht keine Möglichkeit sich über die Grausamkeiten ein Bild zu machen und 11 Mio. Tote in vier Jahren, waren nur für die wenigsten überhaupt vorstellbar, weil die Grenze der Abstraktion eben erreicht war. Sie hatte keinen Input, sozusagen.

Am Anfang des zweiten Weltkrieges war die Reaktion wesentlich verhaltener, weil eben nun über sehr konkrete Erfahrungen verfügte, aus denen man abstrahieren konnte.
Das spricht ja auch gar nicht gegen das, was ich gesagt habe. Sicher lässt sich abstraktes Wissen nicht aus dem Nichts herleiten, mein Argument war nur, dass es, wenn es einmal hergeleitet worden ist, ohne seine Quelle weiter existieren kann.
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HardCora@WArmUp hat geschrieben:Haben die Menschen der dritten Welt nicht verdient oder auch das Recht darauf,sauberes Wasser,eine Schulausbildung,Geld für ihre tägliche Nahrung,Kleidung und ein anständiges Dach über dem Kopf zu haben????
Haben wir denn das Recht darauf? Wer weiß... Fakt ist, dass wir es haben und die Menschen der dritten Welt meistens nicht. Das ist natürlich schlimm, aber aus diesem Fakt erwächst keine Verantwortung.
Ich sollte hier vielleicht darauf hinweisen, dass ich nie behauptet habe, dass ich nicht an die Dritte Welt spenden möchte. Das Einzige was ich sagen wollte, ist, dass man das nicht als Pflicht ansehen sollte.
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15.12.2005 - 17:16

Meiner Meinung nach hat JEDER Mensch ein Recht darauf!!!
In Deutschland kann jeder "Penner" irgendwohin gehen und bekommt,saubere Kleidung und ne warme Mahlzeit und wenn sie Glück haben bekommen sie ne Unterkunft für die Nacht.

Warum sollten dann die Meschen der dritten Welt nicht auch ein Recht darauf haben bzw. das soetwas für sie ermöglicht wird??!!!
Weil sie eine andere Hautfarbe haben,eine andere Sprache sprechen oder eine andere Nationalität haben???

In Deutschland gibt es mehr als genug Sozialschmarotzer den das Geld schon fast in den Ar...h geschoben wird.
Dann gibt es noch dir Türken,Albaner,Russen ect. (ich bin nicht ausläderfeidlich,bin selber keine Deutschte :wink: )
die mehr als genug Asche vom Sozialamt abzocken ect..pp...

Das Geld könnte man besser investieren wenn man es denen spendet die es wirklich brauchen und man könnte so viel Leben damit retten....

Aber die Welt ist leider hart und ungerecht....
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