Katastrophen, Zufälle und Verschwörungstheorien

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Yellow6
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Katastrophen, Zufälle und Verschwörungstheorien

12.08.2011 - 00:17

Wie in einem anderen Thread angekündigt, hier ein paar allgemeine Überlegungen zum Thema Katastrophen und Verschwörungstheorien.

Mir ist aufgefallen, dass, egal mit welcher von Menschen verursachten Katastrophe man sich befasst, man stösst immer auf eine Unmenge von äusserst unglücklichen Zufällen, auf Schlamperei, auf fehlende Sicherheitsmassnahmen auf Grund von finanziellen Überlegungen oder Zwängen und auf vielfach falsche Bewältigung der Katastrophe.

Wie gesagt, dies tritt bei allen Katastrophen auf. Nicht zu allen Katastrophen gibt es aber Verschwörungstheorien. Warum nicht? Bei jeder Katastrophe könnte mit Verweisen auf Zufälle oder andere seltsame Umstände eine Verschwörungstheorie hergestellt werden.

Die Antwort ist einfach: Bei den meisten Katastrophen fehlt das Motiv.
Eine Verschwörungstheorie kommt erst zustande, wenn man den angeblichen Tätern eine Motivation unterstellen kann.

Aus diesem Grund akzeptiert selbst der chronischste Verschwörungstheoretiker bei gewissen Katastrophen die unglaublichsten Zufälle als "das ist halt Pech", während er, sobald er ein Motiv ausmachen kann, in jedem kleinsten Detail einen Hinweis auf die Verschwörung sehen will.

Oder anders gesagt:

Zufälle bei Katastrophen mit Verschwörungstheorie sind keine Zufälle, sondern ein Beweis der Verschwörung.

Zufälle bei Katastrophen ohne Verschwörungstheorie sind nichts anders als Zufälle, egal wie unglaublich die Zufälle sind.

Was der Verschwörungstheoretiker deshalb immer konsequent übersieht:

Ohne Zufälle keine Kastrophe (oder eine viel geringere).
Ohne Schlamperei keine Katastrophe.
Ohne fehlende Sicherheitsmassnahmen keine Kastrophe.
Ohne Leute, die zur falschen Zeit das falsche tun, keine Katastrophe.

Um meine Ausführungen zu unterlegen, hier ein paar Beispiele. Die Liste liesse sich beliebig erweitern (zum Teil sogar um Naturkastrophen).


1987: Fähre HERALD OF FREE ENTERPRISE sinkt vor der belgischen Küste.
193 Tote.

Unglücklicher Zufall: Der hohe Wasserstand verunmöglichte, dass die Autorampe vom Bug aus das Festland erreichen konnte. Aus diesem Grund, mussten Tanks des Schiffs geflutet werden, damit das Schiff mehr Tiefgang bekam.
Dieser Vorgang dauert so lange, dass die Fähre, die bereits hinter dem Fahrplan fuhr, noch mehr Verspätung bekam.

Schlamperei: Der zuständige Arbeiter, der die Rampe hätte schliessen sollen, schlief in der Pause ein und verpasste die Abfahrt.

Fehlende Sicherheitsmassnahme: Der Kapitän des Schiffes konnte von der Kommandobrücke nicht sehen, ob die Rampe geschlossen war. Es gab keinerlei Warnsignal. Der Kapitän musste sich auf seinen schlafenden Mitarbeiter verlassen.

Das Schiff fuhr daher mit offenem Bug los.

Unglückliche Zufälle:

Wären die Tanks des Schiffes nicht geflutet worden, hätte das Schiff weniger Tiefgang gehabt. Das Wasser hätte nicht in den offenen Bug eindringen können.

Hätte die Fähre keine Verspätung gehabt, wäre sie langsamer gefahren.
Um die Verspätung aufzuholen, fuhr die Fähre mit maximaler Geschwindigkeit. Test haben gezeigt, dass bei normaler Geschwindigkeit die Actio der Fähre auf das Wasser geringer gewesen wäre, demzufolge auch die Reactio des Wasser, das heisst, das Wasser wäre nicht bis zum offenen Bug verdrängt worden.

Zusammenfassung: Verspätung, hoher Wasserstand, schlafender Mitarbeiter, total ungenügende Sicherheitsmassnahmen. Wäre nur einer dieser 4 Punkte nicht aufgetreten, wäre die Fähre nicht gesunken.

Was fehlt? Ein Motiv. Hätte die Rednerei 2 Wochen vor dem Unglück eine neue, bessere Versicherung abgeschlossen, wäre die Verschwörungstheorie perfekt.



Brand im Mont Blanc Tunell, 1999, 39 Tote.

Zufall 1: Ein Lastwagen beginnt im Tunell zu brennen. Wäre der Brand 5 Minuten früher oder 5 Minuten später aufgetreten, wäre kein Mensch zu Schaden gekommen.


Zufall 2: Am Tag vor (!) der Katastrophe löste der Rauchmelder im Tunell Fehlalarm aus. Ein Alarm hat die automatische Schliessung des Tunells zur Folge. Man beschloss daher, den Rauchmelder zu deaktivieren, bis die Ursache des Fehlalarms gefunden ist.

Schlamperei: Der Tunell wird von einem italienischen und einem französischen Sicherheitsteam betreut. Die letzte und einzige gemeinsame Übung der beiden Teams fand unmittelbar nach Eröffnung des Tunells statt.

Nachdem der Brand von den Sicherheitsteams endlich und viel zu spät festgestellt wurde, geschah folgendes:

Falsche Bewältigung der Katastrophe:
Das italienische Sicherheitsteam überlegte sich: Die Leute im Tunell brauchen Sauerstoff und führten über die Lüftung zusätzlich Sauerstoff zu.

Das franz. Sicherheitsteam überlegte sich: Wir müssen dem Feuer den Sauerstoff entziehen und begannen deshalb dem Tunell über die Lüftung Sauerstoff abzuziehen.

Konsequenz: Der Rauch wurde mit einer Geschwindigkeit von 6m pro Sek in französische Richtung geblasen. Alle Autoinsassen, die von franz. Seite in den Tunell einfuhren, starben.

Zusammenfassung:
Anzahl Tote ohne Zufall 1: 0
Anzahl Tote ohne Zufall 2: 2 bis 5
Anzahl Tote ohne falsche Bewältung: 10 bis 15.

Was fehlt? Das Motiv. Man findet niemanden, der von dieser Katastrophe profitiert hat.


Wie gesagt, die Liste liesse sich beliebig erweitern.

Man nehme eine Katastrophe und recherchiere die Ursachen und man wird unglaubliches finden.

Man denke zum Beispiel an die Titanic (fehlende Rettungsboote wegen massloser Überheblichkeit, missverständlicher Funksprunk, welche die "benachbarten" Schiffe nicht dazu veranlassten die Passagier zu retten etc etc.)

Aus aktuellem Anlass noch ein paar Betrachtungen zum Attentat auf der Utoya:

Der Täter war bereits seit Monaten auf dem Radar der Polizei. Inwieweit, dass die Norwegische Polizei hier geschlampt hat (falls überhaupt), wird sicherlich noch untersucht werden.

Während 17 Minuten (von 17.10 bis 17.27) wurden die Hilfe-Anrufe der Camp Teilnehmer von der norwegischen Polizei mit dem Hinweis: "Wir haben ein Attentat in Oslo, verstopfen sie nicht die Leitung", abgewiesen.

Das Einsatzkommando musste mit dem Auto zur Insel fahren, da der Transport-Helikopter 50 km entfernt war (das ist weiter als die Insel von Oslo entfernt ist). Der Umstand, dass das Einsatzkommando über völlig unzureichende Transportmöglichkeiten verfügt, wurde seit längerer Zeit kritisiert, ohne dass gehandelt worden wäre.

Das Einsatzkommando benutzte zuerst ein Boot, das nicht in der Lage war soviel Menschen und Material zu befördern. Die Überfahrt musste abgebrochen werden.

In vielen Ländern ist vorgesehen, dass bei Amokläufen, der oder die ersten eintreffenden Polizisten unter Gefährdung ihres Lebens, den Amokläufer zu überwältigen haben, sofern der Amoklauf noch im Gange ist. In Norwegen gelten zur Zeit noch andere Regeln: Normale Polizisten machen gar nichts und warten auf das Sonderkommando.

Nachdem man die Reaktion des Täters auf die eintreffende Polizei gesehen hat war das ein fataler Fehler. Zwei Streifenpolizisten hätten gereicht.

Auch in diesem Fall gilt:

Hätten alle beteiligten Personen richtig gehandelt, hätte der Amoklauf entweder gar nicht stattgefunden, oder die Anzahl Todesopfer wäre wahrscheinlich um mehr als die Hälfte kleiner.

Auch in diesem Fall gilt:

Auch dieser Anschlag bietet Stoff für Verschwörungstheorien noch und noch. Man muss nur noch das Motiv finden der Hinterleute und die Sache kann beginnen.

Solange das Motiv nicht gefunden ist, bleibt es aber ein ganz gewöhnlicher Amoklauf.


Der Sinn meiner Ausführung soll der sein:


Einziges relevantes Kriterium ob eine Verschwörungstheorie zustande kommt oder nicht, ist NUR das Motiv.

Hat man das Motiv "gefunden", kann aus JEDER Katastrophe eine Verschwörungstheorie gebastelt werden.

Denn gäbe es die Zufälle nicht und würden Menschen keine Fehler machen, gäbe es überhaupt keine Katastrophe. Weder mit Verschwörung, noch ohne.

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12.08.2011 - 10:03

Sehr gute Ausführungen (auch wenn ich nicht glaube das es auf furchtbaren Boden fällt)

Ich bin mal so frei und häng nen Link an bei dem moredread und ich schonmal auf Verschwörungstheorien eingegangen sind, quasi als kleine Ergänzung.

http://www.rea51.de/mystery2920.html
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Re: Katastrophen, Zufälle und Verschwörungstheorien

12.08.2011 - 13:31

Yellow6 hat geschrieben:Mir ist aufgefallen, dass, egal mit welcher von Menschen verursachten Katastrophe man sich befasst, man stösst immer auf eine Unmenge von äusserst unglücklichen Zufällen
Vielleicht fällt dir ja auch noch auf, dass, ohne Zufälle Unglücke nicht die Ausnahme, sondern die Regel wären.

Und weil es bei Unglücken Zufälle gibt, schließt du, dass bei Terroranschlägen auch seltsame Zufälle auftreten müssen, die es so erscheinen lassen, als hätten Geheimdienste diese Terroranschläge manipuliert, es aber in Wirklichkeit nicht gemacht haben, weil du das nicht möchtest?

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21.09.2011 - 12:45

erst einmal ein hallo an @ll. Ich bin neu hier.

Jetzt ein dickes Lob an @Yellow6 für den obrigen Bericht. Toller Bericht, super ausgeführt.
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22.09.2011 - 01:01

chfis hat geschrieben: Toller Bericht, super ausgeführt.
Dann hast du das also auch nicht verstanden, dass Unfälle logischerweise oft was mit Zufällen zu tun haben müssen, und dass das so gar nichts mit Verschwörungstheorien zu tun hat?

Yellow6
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22.09.2011 - 02:30

Willi hat geschrieben:
chfis hat geschrieben: Toller Bericht, super ausgeführt.
Dann hast du das also auch nicht verstanden, dass Unfälle logischerweise oft was mit Zufällen zu tun haben müssen, und dass das so gar nichts mit Verschwörungstheorien zu tun hat?
Das Attentat von Norwegen war kein Unfall im eigentlichen Sinn.
Indirekt aber schon, so wie die anderen beschriebenen Fälle auch.
Wenn es einer handvoll Terroristen gelingt, auf fremden Boden 3000 Menschen umzubringen, ist das aus Sicht der Regierung, des Militärs, der Geheimdienste ein Unfall, der nie hätte passieren dürfen. Wie schon hundertmal gesagt: Hätten alle ihre Arbeit richtig gemacht, gäbe es kein 9 / 11. Die Tatsache, dass verschiedene Leute und Stellen versagten, nährt die Verschwörungstheorien, hätten sie nicht versagt, hätte das Attentat nicht stattgefunden.

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22.09.2011 - 09:08

Willi hat geschrieben:
chfis hat geschrieben: Toller Bericht, super ausgeführt.
Dann hast du das also auch nicht verstanden, dass Unfälle logischerweise oft was mit Zufällen zu tun haben müssen, und dass das so gar nichts mit Verschwörungstheorien zu tun hat?
Und habe ich was gegenteiliges gesagt ??
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22.09.2011 - 11:54

Yellow6 hat geschrieben:Das Attentat von Norwegen war kein Unfall im eigentlichen Sinn.
Vielleicht solltest du es einfach lassen, Dinge zu vermischen, die absolut nichts miteinander zu tun haben.

Du willst hier die seltsamen Zufälle bei "Terroraktionen" damit erklären, dass es bei anderen Zwischenfällen, wie Unglücken ja auch Zufälle und Schlamperei gibt.
Ja, das ist dann ja auch der Grund für diese Unglücke. Deswegen geschehen sie.
Das heißt so gar nicht, dass man nun bei "Terroraktionen" Unstimmigkeiten zwangsläufig feststellen muss, wie du das hier gern suggerieren möchtest.

Ein Terroranschlag wird geplant, ein Unglück nicht. Ein Unglück kann das Ergebnis eines Zufalls sein, bei einem Terroranschlag deuten seltsame Zufälle darauf hin, dass hier möglicherweise eine Geschichte verdreht dargestellt wird.

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13.11.2011 - 10:23

Hallo. Naja, das kann sein...



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